Wohin geht es mit der Fanschaft auf Schalke? Ein Appell

4 Mrz

„Meine Gedanken zur Situation auf Schalke – ohne Gewähr!“ So schrieb mir ein guter Schalke-Kumpel am Tag nach der peinlichen Schlappe gegen Fortuna Düsseldorf in einer längeren Nachricht. „Selten bin ich niedergeschlagener und trauriger aus der Arena gegangen.“

Diese Worte und die Gedanken, die folgten, aufgeschrieben von Andreas Schulz aus Syke bei Bremen, sie sind eine Analyse, aber vor allem ein flammender Appell. Dieser Schalker, Dauerkarteninhaber, Auswärtsfahrer, Trainingslager-Urlauber, vertritt einen Standpunkt, den ich als Illusion bezeichnen würde – aber als eine, die ich als erstrebenswert erachte. Ich bat ihn, dass ich die Nachricht als Gastbeitrag bei mir im Schalkeweb-Blog veröffentlichen dürfe. Als Anstoß. Als Anreiz für andere, den eigenen Standpunkt heute, an Tag zwei nach der bitteren Pleite, mit etwas Abstand und mehr Nüchternheit zu überprüfen und hinterfragen. Andreas sagte das zu. Here we go!


Von Andreas Schulz, Syke

Dieses Spiel und die vielfältigen Reaktionen darauf haben mich stark getroffen. Ganz sicher ist ein 0 zu 4 nicht das Ende der Welt und das Ende der Liebe zu meinem Verein. Aber ich habe mich entschlossen, meine Gedanken aufzuschreiben.

Eine mich zutiefst enttäuschende Leistung auf dem Platz ließ mich erschrecken und mit allerlei Fragen zurück. Auf der 250 km langen Rückfahrt telefonierte ich, diskutierte und war gedankenversunken mit meiner Traurigkeit. Was war da gerade passiert?

Einige Spieler waren mit den einfachsten Dingen überfordert. Der Pass zum freistehenden Mitspieler über 5 bis 10 Meter gelang nur selten. Ballbesitz über 04 Stationen: Mangelware. Torabschlüsse:bis in die 2. Halbzeit kaum vorhanden. Technische Anforderungen wie Ballannahme: eines Profifußballers unwürdig. Die Mannschaft wirkte hoffnungslos, mutlos und ideenlos und hatte, wie man so schön sagt, die Hosen voll!

Angst fressen Seele auf, das kennt man ja auch von sich selbst. Wenn die Angst vor Fehlern eine Lähmung hervorruft. Wenn die Nervosität einen klaren Gedanken nicht zulässt. Wenn der eigene Anspruch nicht erfüllt wird. All das führt dann zu Fehlern, zu Zweifeln und verhindert, dass die Ziele erreicht werden. Der Misserfolg ist vorprogrammiert. Und noch schlimmer, wenn dies in aller Öffentlichkeit, vor den Augen von über 60.000 Menschen sichtbar wird.

Ich war teilweise erschüttert über die Reaktionen auf dem Platz, aber nicht weniger über die Reaktionen neben dem Platz. Ein Torschuss eines Nachwuchstalentes wird mit höhnischem Beifall quittiert. Unflätige, nicht druckreife Beschimpfungen und wüste Gesten. Bierduschen und verbale Ausfälle. All das zeigt das Dilemma. Weder auf noch neben dem Platz gibt es adäquate Lösungsansätze. Wenn die Kurve in solch einer Situation schweigt, ist das nur zu sehr nachvollziehbar. Diese Reaktion erfolgt zu Recht! Aber wie geht es weiter? Wie helfen wir der nervösen, verunsicherten Mannschaft aus diesem Dilemma?

Klar der logische Schritt und die einfachste Lösung: Wir entlassen den Trainer! Er ist schließlich der verantwortliche sportliche Leiter und damit das Problem. Außerdem ist er ja viel zu jung und unerfahren, und außerdem haben wir das ja alle gewusst: ein Laptoptrainer, ohne Profifußballer gewesen zu sein – das kann ja nie was werden. Zu grün für Schalke.

Doch halt: Wie viele Trainerentlassungen haben wir schon hinter uns? Wie oft hat dieser Lösungsansatz tatsächlich etwas bewirkt? Schauen wir uns bei den Vereinen um, wo in dieser Saison so gehandelt wurde. Ist dies nicht oft genug auch bei uns in die Hose gegangen und nur ein Zeichen von (blindem, populistischem) Aktionismus der handelnden Führungsgremien?

Wäre es hier nicht einmal an der Zeit, gegen den Strom zu schwimmen? Noch vor wenigen Wochen wird der Trainer gelobt – er versteht Schalke, er lebt Schalke, er ist der richtige Mann für Schalke – und by the way, hat er nicht im letzten Jahr in der Kurve gestanden? Ist das alles hinfällig, weil einige Spieler nicht ihr Potential zeigen (wollen?) und sich nicht an Absprachen/Spielplan halten? Was passiert eigentlich mit Angestellten in der freien Wirtschaft, wenn sie den Anweisungen der Vorarbeiter/Abteilungsleiter oder der Direktoren nicht folgen und ihr eigenes Ding machen? Richtig sie werden ermahnt, versetzt (Bankplatz/Tribüne) oder aus dem Arbeitsverhältnis entlassen.

Wer jemals eine Gruppe Fußballer trainiert hat, der wird wissen, dass man faule Äpfel von den anderen Äpfeln trennen muss – sonst werden weitere Äpfel faul. Das gilt in der Kreisliga C und genauso in der Bundesliga. Liebe Führungsetage: Erkennt die faulen Äpfel und handelt!

Ich wünsche mir eine positive Reaktion der Fans. Klar, das fällt schwer. Die Unzufriedenheit ist groß, und man möchte am liebsten im Erdboden versinken. Die Mannschaft zu verfluchen, fällt einem viel leichter. Wir sollten jetzt aber Hoffnung und Zuversicht vermitteln, auch wenn uns das im Moment sehr schwer zu fallen scheint und die Lage sehr ernst ist. Denn wo haben Frust, Hass oder Liebesentzug etwas Positives bewirkt? Jetzt ist es an der Zeit, gemeinsam zu handeln und zu helfen. Mit Vertrauen und Respekt, mit Zusammenhalt und Hoffnung – mit positiven Aktionen! Der Mannschaft zeigen: Wir stehen zu Dir – wir sind für Dich da, wenn Du Hilfe brauchst – und jede Hilfe ist nötig. Wir kommen gemeinsam aus der Krise – wir lassen Dich nicht alleine – wir kämpfen für Dich UND erwarten genau das von Dir!

Wir sprechen mit der Mannschaft und dem Trainerteam und erklären unseren Frust – aber ohne Bierdusche, ohne Beschimpfung, sondern mit klaren, fairen Worten und Lösungsansätzen, die wir intern anbringen. Wir machen klar, wofür wir stehen. Wir stellen keine Holzkreuze auf, wir graben keine Löcher auf den Trainingsplatz, wir hängen keine Spielerpuppen an den Galgen. Wir geben alles und fordern alles. Wir treten in einen kritischen, konstruktiven Dialog.

Vielleicht scheint dies dem ein oder anderen zu idealistisch oder zu blauäugig, ja diesem Kritikpunkt stelle ich mich gerne und vielleicht ist dies alles auch nur ein Traum. Aber können denn Träume nicht auch wahr werden? Wenn wir daran nur glauben, dann sicherlich nicht. Aber wenn wir dafür etwas tun, gibt es doch die Chance, dass Träume in Erfüllung gehen.

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Eine Antwort to “Wohin geht es mit der Fanschaft auf Schalke? Ein Appell”

  1. Hans-kurt 5. März 2019 um 09:42 #

    Ein sehr nachdenklicher Kommentar, der sehr viel richtiges enthält!
    Nach dem die erste Verzweiflung und Wut verraucht ist erscheint dies mir als einzige mögliche Reaktion… Nicht auch noch draufhauen.. Das wird lächelnd von der Presse und den sogenannten Experten schon zuviel gemacht…. Zusammen stehen!!
    Zusammen kämpfen!!
    Nicht zerfleischen

    Glück auf

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