Heidel vs. Heldt: Verhandlungsgeschick

26 Jul

Fotos: Fuguito / 9EkieraM1 (CC BY-SA 3.0)

Die Deals sind noch nicht gemacht, klar. Aber trotzdem darf man nach gestern Abend, als Christian Heidel sich im Schloss in Mittersill gegenüber der Presse äußerte, mal einen Vergleich ziehen. Er hatte schwere Entscheidungen zu vertreten und zu begründen – und tat das meines Erachtens nach in einer anderen Qualität als Horst Heldt.

Dass Donis Avdijaj, Sidney Sam und Haji Wright nicht mit ins Trainingslager reisten, hatte er zu begründen. Darauf waren die Medienleute sehr gespannt, denn es ging um mögliche Verfehlungen, Bestrafungen fürs Zuspätkommen und die Frage, warum zwei hoffnungsvolle Sturmtalente jetzt doch keine Chance bekommen sollen. Und Christian Heidel sagte zu…

… Donis Avdijaj: „Donis möchte eine reelle Chance haben zu spielen und im Kader möglichst weit vorne stehen. Das heißt unter den ersten 13, 14 Spielern. Domenico Tedesco hat gesagt, dass er sich den Spieler anschaut. Doch nach der China-Reise ist die Erkenntnis gereift, dass der Trainer ihm das nicht anbieten kann. (…) Dass Donis sich einen anderen Verein suchen sollte, um mehr spielen zu können, daran aufzuhängen, weil er zu einem Termin acht Minuten zu spät gekommen ist, wäre ein Witz. Er hat sich nichts zu Schulden kommen lassen, auch, wenn wir alle gesehen haben, dass er sich zum Ende der China-Reise hat ein bisschen hängen lassen. Aber nicht deswegen oder aus anderen Gründen wir ihn vor die Tür gesetzt, sondern wir haben ihn freigestellt, um nach einer Lösung zu suchen.“ (Quelle: Raphael Wiesweg bei westline.de)

… Sidney Sam: „Der Trainer Domenico Tedesco hat Sidney in einem Gespräch zum Ende der China-Reise mitgeteilt, dass er ihm nicht versprechen könne, ihn einzusetzen. Wer die Vorgeschichten von dem Spieler aber kennt, der weiß, wie wichtig es ist, dass er in Zukunft spielen muss. (…) Es liegt aber null an der Disziplin. Er kann die Entscheidung sogar nachvollziehen und verstehen. Sidney hat sich äußerst professionell verhalten, obwohl die Trennung keine große Überraschung mehr ist und sie sich in China abgezeichnet hat. Der Spieler selbst hat dann aber die Initiative ergriffen, freigestellt zu werden, um sich einen neuen Klub suchen zu können. Davor ziehe ich den Hut vor Sidney.“ (Quelle: Raphael Wiesweg bei fussball.news)

 

Das sind Aussagen, die man aus einer Unternehmenskommunikation oder von Pressestellen kennt. Aus dem Mund von Christian Heidel empfinde ich sie aber als deutlich glaubwürdiger als manches Gewäsch eines Regierungssprechers oder anderer Sprecher, die oft etwas sagen müssen, ohne etwas sagen zu wollen – und das liest man dann oft raus.

Früher musste man sich oft wundern über Aussagen von Horst Heldt – ich habe mir sogar oft die Hände Stirn geschlagen, wenn er vor der breiten Öffentlichkeit den Marktwert so manch eines Spielers mit seinen Worten nach unten drückte. Er sagte oft, Spieler X oder Y wolle man unbedingt abgeben, und es klang dabei zwischen den Zeilen durch: Der kann nix, der taugt nix, der benimmt sich dauernd daneben. Ich dachte dabei oft: Moment! Als Manager muss man dann seine Spieler doch zumindest ein bisschen ins Schaufenster stellen, für sie werben, damit sie überhaupt jemand nimmt. Klar ist das eine Gratwanderung, denn man kann auch nicht in höchsten Tönen von jemandem sprechen – dann versteht niemand, warum man ihn unbedingt abgeben will. Aber zu sagen: „Wir wollen ihn unter allen Umständen abgeben“ schwächt die eigene Verhandlungsposition derbe.

Christian Heidel hat über alle drei Spieler durchaus lobende Worte gefunden. Er hat eingeordnet, warum man nicht auf Schalke mit ihnen plant, aber sie trotzdem vor aller Öffentlichkeit nicht diskreditiert und geringgeschätzt. Das ist professionell.

Unterm Strich: Wir können uns froh schätzen, und das zeigt (auch) dieses Pressegespräch von Dienstagabend, dass Christian Heidel unsere sportlichen Geschicke leitet und nicht mehr Horst Heldt. Der hat zwar gute Zahlen (hohe Transfererlöse) und sportliche Ergebnisse (Champions-League-Teilnahmen) auf der Habenseite, aber er hat aus meiner Sicht trotzdem deutlich weniger Verhandlungsgeschick.

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5 Antworten to “Heidel vs. Heldt: Verhandlungsgeschick”

  1. Stefan_S04 26. Juli 2017 um 14:47 #

    Vermeintliches Verhandlungsgeschick sind demnach also wichtiger, wie gute Zahlen und sportliche Erfolge.

    • weckenbrock 26. Juli 2017 um 16:10 #

      Naja, Erfolg kann man auch haben, wenn man Glück hat. Ich glaube, eine Erfolgsgarantie gibt es nie – aber eine Erfolgschance. Die ist aus meiner Sicht nur zum Teil abhängig vom Manager. Aber wenn man auf dem Posten einen guten hat, ist die Chance höher.

      So würde ich die Kausalität sehen – also etwas komplexer als von dir gezeichnet @Stefan.

      • Carlito 27. Juli 2017 um 11:09 #

        Ich denke auch, dass mit Christian Heidel Erfolg möglich ist und sich noch einstellen wird. Und dies dann zudem noch nachhaltiger, als dies unter Horst Heldt der Fall war. Wobei ich HH grds für einen sympathischen Typen halte. Aber das eine hat ja mit dem anderen nicht zwingend was zu tun.

      • HeiligerHeidel 27. Juli 2017 um 11:28 #

        5 Jahre Glück haben! Auch ne gute Leistung von Heldt

        Echt witzig wie ihr Heideljünger aus jedem „kleinen Furz“ eine Superleistung von Heidel ableitet

      • weckenbrock 27. Juli 2017 um 11:33 #

        Ich habe mich früher immer über die Verhandlungstaktik von Heldt inklusive öffentlicher Diffamierung des Spielers geärgert. In diesem Fall habe ich nun bei Heidel genau das gesehen, was ich mir früher immer von Heldt gewünscht hätte. Habe einen alten blogpost gesucht, aber keinen gefunden – vielleicht habe ich nicht darüber gebloggt, sondern mich nur so für mich geärgert.

        Das ist nun keine Superleistung, aber ein Detail, das mir Kompetenz zeigt. So einfach, so kurz, so klein. 🙂

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