Euro-Geschichten

13 Jun

Sommerpause ist Euro-Pause: Die EM 2016 in Frankreich ist das Ziel einer kleinen Freundesrunde. Zum dritten Mal bin ich nach Österreich 2008 und Ukraine 2012 zu den Spielen der deutschen Elf unterwegs. Was man da nicht alles erlebt…

Sonntag, 12. Juni 2016, Lille: Ich treffe Helmut. Er fällt auf mit seinem Dreirad, er nennt es Ritschka. Helmut wurde 1958 geboren, stammt aus dem Südlohner Ortsteil Oeding, einem Dorf im Kreis Borken direkt an der niederländischen Grenze. Heute lebt er allerdings in Münster und ist dort manchem als radelnder Weihnachtsmann bekannt. So radelt er mit Tempo 8 am Spieltagsmorgen durch ein wunderschönes altes Wohnviertel am Stadtrand von Lille in Stadionnähe. Schilder an seinem mit allerlei Plüdden vollgepackten Gefährt künden von seiner Herkunft. Der Weihnachtsbaum auf dem Dreirad verrät seinen Job in Münster. Dass er auf der Suche nach Bier ist, merken wir erst, als wir ihn ansprechen. Er erzählt, dass er am Sonntag zuvor, also vor sieben Tagen, in Münster aufbrach, um die rund 350 km nach Lille zu nehmen. Wo er übernachtet hat, fragen wir ihn. In Bauernhöfen, sagt er, aber gut seien auch Bank-Nachtschalter: warm, trocken, sicher. Da sei es auch schon mal der Fall, dass er in seinem Sammelhut hinterher 5 oder 10 Euro finde. Er müsse erst nach dem Finale wieder heim. Karten habe er nicht – aber mal schauen, was sich so ergebe. Ich habe ihn interviewt, den Helmut, der dabei auch erzählte, was gerade sein zweites Problem sei:  https://youtu.be/7ONPLU5GLFM

Sonntag, 12. Juni 2016, Lille: 17.30 Uhr in einer Bar in einem dieser charmelosen Einkaufszentren mit Kino und Gaststätten in der Nähe des Stadions. Wir trinken ein paar Bier aus der 3-Liter-Heineken-Säule. Als wir aufbrechen wollen, kommt eine Regenschauer runter. Darum gehen wir wieder rein, nehmen noch ein Bierchen am Tresen. Und kommen mit einem Lillianer ins Gespräch, der fließend deutsch spricht. Er sagt mehrfach, er sei zwar in Frankreich geboren, aber habe Deutschland alles zu verdanken. Er studierte Diplom-Ingenieurswesen in Köln. Nun lebt er mit seiner Frau, neben ihm an der Theke, in Lille. Dann erzählt er über sie, die kein Deutsch spricht. Sie heißt Anni – und mit Nachnamen Mpenza. Sie ist die Schwester von Mbo und Emile Mpenza. Als ich sage: „Emile Lokonda“, lacht sie und freut sich offenbar. Ich erzähle, dass Emile Mpenza ein toller Fußballer gewesen sei und er mir und vielen Schalkern mindestens eine Saison lang – 2000 und 2001 – viel Freude gemacht habe. Schnell, torgefährlich. Heute sei er 36, sagen die beiden, spiele nicht mehr aktiv Fußball, sondern sei im Immobiliengeschäft tätig. Und sein Bruder Mbo sei beim belgischen Fernsehen als Fußballexperte. Emile habe ja genug Geld verdient. Anni und ihr Mann wohnten in einem der Häuser von Emile. 300 Meter von hier. Ein großes Haus. Emile komme häufiger vorbei, er achte auf seine Häuser, sagt der Mann von Anni und lacht dabei. Ich nehme Anni in den Arm, freue mich, bitte sie, Emile von einem vernarrten Schalker zu grüßen. 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: