2:2 oder die Unmöglichkeit eines Derby-Fazits

11 Apr

Schalke 04 gegen Borussia Dortmund 2:2. Das sind die nackten Zahlen. Fügt man den Halbzeitstand (0:0) hinzu, ergibt sich erst einmal ein ganz deutliches Bild eines Spiels: erste Halbzeit schwach, zweite Halbzeit gut. Aber irgendwie ist es auch nach Einer-Nacht-Drüberschlafen noch immer schwer, ein richtiges Fazit zu ziehen. Warum?

Schalke 04 spielte eigentlich so, wie man es erwarten konnte. Die Mannschaft zeigte zwar vollen Einsatz und steigerte sich damit im Vergleich zum 0:3 in Ingolstadt (abgesehen von den ersten 20 Minuten dort) deutlich. Aber doch muss man festhalten: Selbst bei vollem Einsatz haben wir eine Mannschaft, die es an vielem vermissen lässt. Sicher kam Schalke dabei auch zugute, dass Borussia Dortmund das Derby-Rückspiel nun mal gerade nicht zum wichtigsten Spiel der Rückrunde erkor – sondern eher zum unwichtigsten. Gündogan, Reus, Mikitarian (wie auch immer man den richtig schreibt), Aubameyang auf der Bank – das ist schon eine Aussage. Wenn man dann so will, hatten die Schalker auch nicht das Top-Team auf dem Rasen: Höwedes, Nastasic, Goretzka, Uchida – vier Verletzte, die sonst auch sicherlich in der Startelf gestanden hätten. Wie auch immer…

Wenn man genauer hingesehen hat, dann musste einem schon Angst und Bange werden als Schalker: Was wir zum Teil für ein Defensivverhalten gezeigt haben – unfassbar! Vor allem nach der Pause sah das teilweise so aus, als seien die Blauen nur Slalomstangen auf dem Trainingsplatz der Gelben. Nur zweimal führten diese Schalker Versäumnisse zu Gegentoren. Deutlich häufiger führten sie bei mir zu aufgestellten Nackenhaaren. Selbst Joel Matip, einen meiner Lieblinge in Blau-Weiß, muss ich in diese Kritik einbeziehen: Der Innenverteidiger war neben Roman Neustädter, dem das verkorkste Tor zum 1:2 zuzuschreiben ist, einer der größten Schwachpunkte in unserem Team. Aber auch die beiden Sechser Hojbjerg und Geis trugen nicht zur Beruhigung bei. Schalke ließ sich in sicher fünf, sechs Angriffssituationen des BVB so leicht ausspielen – unfassbar! In der ersten Hälfte musste man zudem Mitleid mit „Seo“ Kolasinac haben: von einem 17-Jährigen mehrfach düpiert.

Ein weiteres Manko war – wie schon so oft angemerkt – die fehlende Genauigkeit im Offensiv-Zuspiel. Warum so talentierten Einzelspielern wie Sané, Geis, Hojbjerg, so einem erfahrenen Mann wie Huntelaar oder einem technisch beschlagenen Brasilianer wie Caicara immer und immer wieder in eigentlich potenziell richtig guten Schwung- oder gar Überzahlsituationen so einfache Abspielfehler unterlaufen (Ball ins Aus, Ball unbedrängt in des Gegners Fuß) ist und bleibt ein Rätsel. Diese Fehler-Anfälligkeit ist in dieser Saison sehr präsent. Sie macht oft gute Angriffe im Keim kaputt. Während unsere Tore dann oft aus Ping-Pong-Situationen (siehe Siegtreffer gegen Gladbach / siehe Tor Ausgleich von Sané gestern) heraus fallen.

Am Ende gab es trotzdem verdientermaßen Applaus, und das ist Ausdruck des Fakts, dass dieses Spiel für mich so schwer zu bewerten ist: Das hängt mit dem zweimaligen Rückstand zusammen und mit einem Punkt gegen einen tabellarisch weit enteilten Gegner. Der Wille war da – aber muss man das wirklich honorieren in einem Derby? Markiger waren die Sprüche der Spieler vor einem Derby selten: Von A*** aufreißen sprachen die Spieler und von am A*** lecken, von spucken, beißen und treten (sicher nicht wörtlich, sondern bildlich gemeint) unser Kapitän Benedikt Höwedes. Wer also selbst diese Sprache noch nicht verstanden hatte, dem ist nicht mehr zu helfen. So sah das in der ersten Hälfte und auch in der Schlussphase des Spiels gar nicht aus: Es wirkte eher wie ein Bedachtsein auf Fehlerfreiheit: Schalke wagte sich kaum richtig nach vorne, kaum aus der sicheren Staffelung heraus.

Kurz vor Schluss, als man vielleicht noch auf den Heimsieg hätte gehen können (der eigentlich ob der Lage der Liga und den kommenden schweren Spielen notwendig gewesen wäre), verlegte man sich eher darauf, den Punkt zu sichern – und kam dann doch noch zu einer Groß-Chance durch Max Meyer. Passt perfekt ins Spiel. Irgendwie sonderbar.

Was ich am Ende schade finde, ist die Wagenburg-Mentalität, die ich mir sonst noch mehr wünschen würde: Spieler, Trainerteam, Manager – alle sprechen von einem guten Spiel, von einem verdienten 2:2, von gutem Kampf und Einsatz. Ich hoffe sehr, dass intern vor allem über die Fehler vorne wie hinten (siehe oben) gesprochen wird. Daran ist zu arbeiten, denn sie ziehen sich durch die Saison. Feiern für guten Einsatz und das Egalisieren von zwei Rückständen kann man sich dann gerne später mal.

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