Der SFCV und eine Wahl mit Potenzial

22 Nov

Der Schalke-Fanclub-Dachverband (SFCV) steht seit Wochen in der Kritik. Es gibt Unklarheiten in den Bilanzen und einigen Finanztransaktionen in den vergangenen Jahren. Weil es nur im Sinne des Vereins und aller seiner Mitglieder sein kann, diese Unklarheiten aufzuklären, täte frischer Wind in seinem Kontrollgremium bestimmt gut. Gestern präsentierten sich einige der wohl sieben Kandidaten zur Wahl zum Aufsichtsrat dem Wahlausschuss, die für die Wahlen bei der nächsten Jahreshauptversammlung kandidieren wollen. Frische Köpfe könnten ein Anfang sein.

Am Donnerstag, 17. Dezember, ist die turnusmäßige Vollversammlung des Dachverbandes, zu der fristgerecht bis acht Wochen vorher postalisch eingeladen worden ist.

In jedem Jahr wählt die Mitgliederversammlung zwei Mitglieder für den Aufsichtsrat neu. Er besteht aus sechs Personen, von denen zwei qua Amt in den Aufsichtsrat gehören: Ein Vertreter des FC Schalke 04 ist gesetzt und ein von den 22 Bezirksleitern ermittelter Sprecher aus ihrer Runde. Der SFCV ist als Dachorganisation aller Fanclubs in 22 Bezirke aufgeteilt, die das ganze Bundesgebiet abdecken. Jeder Bezirk hat einen Bezirksleiter, der als Kontaktmann/-frau zwischen dem SFCV-Vorstand und den Fanclub-Vorständen des jeweiligen Bezirks arbeitet.

Es bleiben also vier Posten, von denen jedes Jahr zwei neu besetzt werden. So wählt also die anwesende SFCV-Mitgliedschaft jedes Jahr zwei Aufsichtsräte für jeweils zwei Jahre neu.

Für die Kandidaten gilt als Auflage, dass sie selbst Mitglied im SFCV sein müssen. Wer Mitglied in einem dem SFCV angeschlossenen Fanclub ist, ist gleichzeitig auch SFCV-Mitglied. Im Zuge der Ungereimtheiten wurden weitere Voraussetzungen bekannt, die auch so in der Satzung des Dachverbandes stehen: „Mitglied des Aufsichtsrats kann nur werden, wer mindestens drei Jahre ein ehrenamtliches Amt beim SFCV ausgeführt hat oder mindestens für 5 Jahre Mitglied im Vorstand eines im SFCV eingetragenen Fan-Clubs war.“ (§ 13 (1) )

Die Kandidaten für die Wahl zum Aufsichtsrat bestimmt der Wahlausschuss. Der besteht seinerseits aus sechs Personen, von denen jedes Jahr zwei Posten neu ebenfalls per Wahl vonseiten der Mitgliederversammlung vergeben werden.

Dieser Wahlausschuss hatte nun also die Personen, die in diesem Jahr kandidieren wollen, am Samstag zu einer Art Bewerbungsgespräch eingeladen. In den kommenden Tagen wird der Wahlausschuss vermutlich die Entscheidung bekannt geben, wer zur Wahl zugelassen wird und wer nicht.

Der Aufsichtsrat hat die Funktion, die Arbeit des Vereinsvorstandes zu kontrollieren. Die Arbeit als Aufsichtsrat ist ein Ehrenamt, während einige Vorstandsmitglieder des SFCV hauptamtlich arbeiten. Im Aufsichtsrat sitzen Leute, die sehr zentrale Aufgaben haben. Sie sitzen in einem Wahlgremium, während der Vereinsvorstand selbst nicht gewählt, sondern vom Aufsichtsrat bestellt ist. All seine Aufgaben sind in § 14 der Vereinssatzung festgehalten: Der Aufsichtsrat kontrolliert die Wahrnehmung der Vereinsaufgaben durch den Vorstand und berät ihn. Er bestellt ihn, beruft ihn ab und beschließt seine Geschäftsordnung. Und: „Vor jeder ordentlichen Mitgliederversammlung entscheidet der Aufsichtsrat über die Empfehlung an die Mitgliederversammlung zur Entlastung des Vorstands.“

Der SFCV hat übrigens in seinem „Blauen Faden“ als Hauptzweck des Vereins verankert, die Fanclub-Kultur zu erhalten. Die entstand in den 70er- und 80er-Jahren auf Schalke. Der Dachverband soll die Interessen der Fanclubs bündeln und den Kontakt zum FC Schalke 04 pflegen. Dabei hat er im Laufe der Jahre unter anderem die Aufgabe übernommen, für den Verein die Verteilung von Karten an Fanclubs zu regeln.

Oft wird dem Dachverband angekreidet, er geriere sich als Sprachrohr aller Fans des FC Schalke 04. Das rührt auch daher, dass der Vorstand des SFCV eine Person aus dem Vorstand in den Aufsichtsrat des FC Schalke 04 entsendet – oft bezeichnet als „der Fanvertreter“. Dem langjährigen SFCV-Vorstandsvorsitzenden Rolf Rojek wurde von den Medien oft der Titel „Oberfan“ angeheftet. Der zentrale Kritikpunkt lautet oft, dass in den Fanclubs zwar mehr als 100.000 Schalkefans organisiert sind,  aber dass er bei weitem damit nicht für alle Schalkefans sprechen kann, deren Zahl auf weit über 1 Million geschätzt wird. In Fanclubs organisieren sich meistens die Fans, die sich in ihrem Wohnort – oftmals weit weg von Gelsenkirchen und oftmals in einer Art Schalke-Diaspora – mit gleichgesinnten vernetzten wollen, um gemeinsame Fahrten zu Spielen zu organisieren. Viele Fans aus dem näheren Umland ist eine solche Vernetzung unter dem Dach eines Fanclubs aber nicht wichtig, denn sie planen ihre „Anreise“ zumindest zu Heimspielen ohnehin individuell. Viele Fanclubs haben sich seit Ende der 90er-Jahre auch vor allem deshalb gegründet, um einfacher an das damals rarer werdende Gut Karten zu kommen.

Dadurch, dass die Nachfrage nach Karten für Heim- und Auswärtsspiele in den letzten Jahren weit über dem Angebot lag, hat sich auch die Machtposition des Dachverbandes verstärkt: Da er Kontingente kontrolliert und über Bezirks-Kartenausschüsse verteilen kann, sind die Fanclubs von ihrer Dachorganisation abhängiger geworden. Blicken wir zurück zur Gründungsabsicht: Darin ging es um Hilfestellung bei der Gründung von Fanclubs und die Vertretung der Interessen gegenüber dem FC Schalke 04.

Der Dachverband ist zuletzt in die Kritik geraten, weil finanzielle Unklarheiten in den Büchern aufgetaucht sein sollen. Aufsichtsratsmitglied Ender Ulupinar spielt dabei wohl eine zentrale Rolle: Er äußerte die Vermutung und forderte beim Vorstand eine Prüfung der Belege ein. Diese soll ihm verweigert worden sein mit dem Vorwand, er erfülle die Vorgaben nicht, die ein Aufsichtsratsmitglied zu erfüllen habe: Demnach müsse man drei Jahre im Vorstand eines angeschlossenen Fanclubs oder fünf Jahre ehrenamtlich für den Dachverband gearbeitet haben. Pikant: Das brachte der Dachverbandsvorstand jetzt vor – der Wahlausschuss, der für die Zulassung einer Kandidatur zuständig ist, muss demnach einen Fehler gemacht haben, der bis dato entweder nicht aufgefallen war oder zumindest nicht angeprangert wurde. Erst als Ulupinar „auffällig“ wurde, machte man darauf aufmerksam, dass er einen Posten bekleidet, den er eigentlich gar nicht bekleiden könne. Es soll aber schon 2014 Empfehlungsschreiben von Vorstandsmitgliedern des Dachverbandes für seine Kandidatur gegeben haben…

Diese Prüfungsabsicht von Ulupinar, die und deren angeblicher Verhinderungsversuch Anfang August öffentlich wurde, brachte einen Stein ins Rollen, den Einzelne und vor allen einige Fanclubs gezielt antrieben. Dabei tauchten weitere Recherchen auf, die auch Verbindungen und angeblich unlautere Geld-Geschäfte zwischen Dachverband und FC Schalke 04 aufdecken. Die Schalke-Unser-Redaktion hat das recherchiert und hier nachgezeichnet. Was stimmt und was nicht, weiß man nach wie vor nicht. Auch weil die, die es eigentlich wissen müssten, bisher nicht klar Stellung beziehen.

Drei Dinge sind nun vor dem 17. Dezember mit Spannung zu erwarten: 

  • Interessant wird sein, wie sich der Vorstand zu dieser Geschichte mit einem großen Stück Intransparenz weiter positioniert.
  • Man darf außerdem gespannt sein, ob der Aufsichtsrat der Mitgliedschaft empfehlen wird, den Vorstand trotz der Unstimmigkeiten zu entlasten. Denn noch sind Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Essen anhängig.
  • Und man darf gespannt sein, wen die Versammlung in den Aufsichtsrat hinein wählt. Vielleicht ja frische und unbelastete Köpfe, die dem Ganzen sicherlich gut täten.

 

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