Warum seid ihr Schalker so?

4 Nov

Wechselgesang IngolstadtEin Arbeitskollege, vereinsneutral, aber extrem fußballinteressiert, wundert sich spätestens seit unserem Last-Minute-Sieg gegen Hertha BSC: Der Fußball unattraktiv, die Spiele schlecht – und trotzdem ist die Stimmung im Stadion unfassbar. Warum seid ihr Schalker so? Der Versuch einer Erklärung.

Warum sind wir Schalker so? Seit dem Spiel vom 17. Oktober, als wir gegen Hertha BSC 2:1 siegten, hat sich eine neue Art der Stimmung breitgemacht: In unseren Heimspielen hat sich seither ein Wechselgesang etabliert zu einer Zeit, in der es sonst auf Schalke oft eher ruhig war oder die Kritiker mit ihren Pfiffen lauter waren als die Unterstützer: Schalalaaalaaa. Schalalaaalaaa.

 

Für meinen Kollegen war das kaum zu begreifen. Er meinte, bei solchen Spielen wäre es aus seiner Sicht nur verständlich, wenn die Leute nach 80 Minuten frustriert nach Hause gingen. Aber auf Schalke, da sei eine Stimmung, als stünde es 4:0 bei Fußball wie aus dem Rausch.

Jahrelang war das auf Schalke auch so: In den „normalen“ Spielen, den Alltagsspielen, kehrte oft nach drei Fehlpässen beim Stand von 0:0 der Frust ein, der sich in Pfiffen und Unmutsäußerungen von den Rängen Bahn brach. Es verunsicherte dabei schon mal den ein oder anderen eigenen Spieler, wenn wieder ein „Hach“ durchs Stadion raunt, weil er den Ball nicht zum eigenen Spieler bringen konnte.

Jetzt ist es anders. Vielleicht nur eine Phase, aber eine, die Schalke mal wieder besonders macht. Das passt in die grundsätzliche Strategie und das Gefühl, das der Club seit Saisonbeginn versprüht: Es geht nicht um den unbedingten Erfolg, sondern darum, etwas aufzubauen. Mit Geduld, auf Schalke seit eh und je ein Fremdwort. Der Vorstand hatte mit dem Aufsichtsrat zusammen diesen Schwenk vereinbart, nachdem die Roberto-Di-Matteo-Ära ein absoluter Flop war. Danach wurde ein Trainer gesucht, der dieses Projekt voll mitträgt und lebt. Mit Andre Breitenreiter hat Schalke jemanden gefunden, der 100 Prozent für genau diese Strategie steht, als hätte er sie sich selbst ausgedacht. Arbeit mit jungen, entwicklungsfähigen Spielern, nicht mit fertigen, aber schwierigen Millionarios.

Schalkes Fans machen derzeit den Eindruck, als wollten sie diesen Weg mitgehen. Das geht aber vor allem deshalb so gut, weil die Ergebnisse dabei gut ausfallen. Schalke holte bis vor zwei Wochen unter dem Strich mehr raus, als es die spielerische Qualität rechtfertigen würde. Das ist jetzt seit wenigen Spielen anders: Mit den Niederlagen gegen Köln und dem Doppel-Flop gegen Gladbach ist etwas Ernüchterung eingekehrt. Aber die Wechselstimmung ist zurzeit noch stärker. Hoffen wir, dass es so bleibt, auch wenn die ergebnistechnische Talfahrt im schweren November (Derby, Bayern, Leverkusen) weiter geht.

Schalke ist anders. Schalke ist der geilste Club der Welt!

 

Dieser Beitrag ist auch erschienen auf www.emspower.de.

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