Wechseltheater

31 Aug

 

Julian Draxler (Foto: DerHans04 / wikimedia commons / CC BY-SA 3.0)

Julian Draxler (Foto: DerHans04 / wikimedia commons / CC BY-SA 3.0)

Irre, was dieser Endspurt der Transferperiode an Tempo mitbringt. De Bruyne war der Anfang, dann drehte sich das Karussell wie bekloppt. Denn das Geld, das einmal nach Deutschland importiert wurde, muss rotieren. Und das betrifft auch Julian Draxler. Meine 2 Cent. 

Julian Draxler wird heute, Montag, noch bei einem anderen Club einen Vertrag unterschreiben. Das ist zumindest Stand Sonntagabend ziemlich sicher. Dabei ist es nicht Juventus Turin, sondern wahrscheinlich der VfL Wolfsburg, der im Geldregen sitzt. Dieses Geld ist im Markt, und es muss kreiseln.

Wer für Kevin de Bruyne rund 80 Millionen Euro kassiert, der macht mit Julian Draxler für etwa 35 Millionen Euro (wird kolportiert) ein ganz gutes Geschäft. Wobei man bei Jule eher ins Talent investiert als in eine Leistungsgarantie. Denn Julian ist noch vieles von dem schuldig geblieben, was Schalke seinen Fans – ja, der Club hat dazu selbst in großen Teilen beigetragen – versprochen hat. Da muss man sich immer zwingen, sich mal sein Geburtsdatum anzuschauen und locker zu bleiben: Julian wird in 20 Tagen 22 Jahre alt.

Ich finde, dass Schalke einen sehr guten Deal macht, wenn es Draxler für 35 Millionen Euro abgibt. Dann hat sich die Arbeit in der Knappenschmiede mit diesem Top-Talent gelohnt. Dann wird der Weg eventuell wieder freier für das nächste Mega-Talent auf ähnlicher Position: Max Meyer. Der wird in 20 Tagen 20 Jahre alt… Und wer genau hingesehen hat zuletzt, der wird gemerkt haben, dass inzwischen Leroy Sané noch ein Füßchen weiter vorne ist als Max – und der wird am 11. Januar 20 Jahre alt.

Es ist irre, was Schalke in der Jugendabteilung entwickelt – es ist am Ende auch ein bisschen die Lebensversicherung unseres Clubs, der in der DNA verankert hat, im Profi-Bereich mit viel finanziellem Risiko zu handeln. Ein Top-Transfer aus der Jugendabteilung alle paar Jahre (zuletzt war es Manuel Neuer) muss sein, um zu überleben.

So ist Julian Draxler (vielleicht) der nächste. Ich weine ihm keine Träne nach, ich wünsche ihm aber alles Glück und viel Erfolg bei einem neuen Club. Ich glaube, es ist für ihn der richtige Weg. Er wird sich ohne die schwere Schalker Erwartungslast und nach der Befreiung aus dem alten Umfeld womöglich viel besser entfalten, als er es bei uns könnte. Und ob er bei uns den Weg zu dieser Befreiung gefunden hätte, daran habe ich mehr Zweifel als Trainer André Breitenreiter, der sich gerne mit ihm weitergearbeitet und ihm genau dabei geholfen hätte.

Draxler macht nur den Weg frei für weitere wunderbare Talente. Auch wenn er in der PR-Maschine des Clubs als Schalker Kulturgut angepriesen worden ist – es ist vernünftig, sich jetzt von ihm zu trennen. Und daraus zu lernen: Vielleicht braucht es diese extreme Einzelspieler-PR gar nicht. Vielleicht reicht es, ganz nüchtern Verträge zu verlängern. Der Jubel der Fans kommt schon von selbst, dafür muss man nicht mit Plakatkampagnen auf LKW selbst sorgen. Sie füllen stattdessen den Rucksack, den ein gerade volljähriger Mensch allein gar nicht tragen kann.

Wechseltheater? Ach ja, da sind ja noch die diskutierten Kostic, Boateng, Sam, Santana… Heute ist Deadline. Warum eigentlich heute? Warum eigentlich nicht vier Wochen früher – also vor dem Start der Saison in den meisten Ländern Europas?!

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