Die große Satzungs-Verwirrung 

25 Jun

 

Der FC Gelsenkirchen-Schalke 1904 e.V. steht vor einem der praktisch wichtigsten Termine des Vereinsjahres: 130.000 Mitglieder haben am Sonntag, 28. Juni, die Möglichkeit, von ihrem Stimmrecht Gebrauch zu machen: Es ist Jahreshauptversammlung, dad satzungsgemäß mächtigste Organ eines Vereins nach deutschem Vereinsrecht. Ein Ausblick.

Es gab schon zahlreiche Mitgliederversammlungen, die den Ruf von Schalke 04 maßgeblich beeinflussten, weil sie unberechenbar, bunt, wild, emotionsgeladen waren. Auch für diesen Sonntag dürfte durchaus Konträres auf der Tagesordnung stehen. Zwei Punkte werden zurzeit vor allem kritisiert, zweimal geht es um zur Abstimmung stehende Satzungsänderungen. 

Der erste: Zahlreiche Satzungsänderungen stehen zur Abstimmung, aber es soll en bloc, einmal für alles, abgestimmt werden. Die Begründung von einer im vergangenen Jahr mehrfach zusammengetretenen Satzungskommission, die diese Änderungen gemeinsam erarbeitet hat, lautet: Die meisten der Satzungsänderungen hängen direkt zusammen. In mehreren der einzelnen zu ändernden Passagen geht es um die Zusammenstellung des Aufsichtsrates, des Vorstandes und des Ehrenrates. Dazu soll sich unter anderem ein „Gemeinsamer Ausschuss“ zusammenfinden. Auch so eine Art neues Gremium, das sich aus Vertretern unterschiedlicher Vereinsgremien zusammensetzt. An unterschiedlichen Stellen in der Satzung sollen für dieses Konglomerat an Zusammensetzungen und Zusammenhängen Pasi geändert werden.

Zweiter Kritikpunkt: Unter den Satzungsänderungen ist auch eine, die mit den anderen eigentlich nichts zu tun hat und die irgendwie Unwohlsein verursacht: Es geht um die Anhebung der bereits jetzt in der Satzung verankerten Sonderumlage. Dabei handelt es sich um den Einzug eines einmaligen Sonder-Mitgliedsbeitrages. Dieser ist laut Vereinsrecht zweckgebunden für soziale Aufgaben des Vereins. Diese Sonderumlage kann nur mit Zustimmung einer eigens dafür einberufenen außerordentlichen Mitgliederversammlung erhoben werden. Das ist jetzt schon so, ist üblich in der Vereinslandschaft in Deutschland und soll auch so bleiben. Nur soll die Sonderumlage vom zurzeit geltenden zusätzlichen einfachen Beitragssatz, der erhoben werden kann, auf den dreifachen angehoben werden.

Übersetzt: Wenn Schalke eine Sonderumlage erheben will, dann geht das nur, wenn die Mitglieder dem Zweck und der Erhebung zustimmen. Das war so, das bleibt so. Das hat nur aus meiner Sicht bisher kaum jemand verstanden. Alle glauben, der Vorstand könnte mit diesem Passus in der Satzung ohne Ankündigung den Mitgliedern 150 Euro extra abnehmen, um damit eine Etatlücke zu füllen oder einen Transfer zu stemmen. Das ist mitnichten so.

Trotzdem kann man die Satzungsänderung in diesem Fall kritisieren: Wenn der Verein eine Sonderumlage erheben wollte (wollte er bisher noch nie), hätte er erheblich größere Chancen, dass die Mitgliedschaft sie absegnet, wenn sie auch bezahlbar ist. 50 Euro pro Mitglied (also der einfache Beitrag für 30- bis 60-Jährige) gehen vielleicht noch, 150 Euro sind für manches Mitglied schon happig. Die Gefahr, dass eine außerordentliche Mitgiederversammlung eine Umlage ablehnen würde, und wäre der Verwendungszweck noch so sinnvoll, wäre mE groß. Dass das mit den 1000-irgendwas-Euro Sonderbeitrag, den Clemens Tönnies vor Monaten mal anregte, nichts, aber auch gar nichts zu tun hat, versteht – verständlich – kaum einer. Wir sind ja immer noch Schalker…

Zudem zieht hier nicht die Argumentation der Abstimmung en bloc: Diese Satzungsänderung hat mit den anderen wirklich gar nix zu tun. Zu vermuten ist, dass mindestens über diese auf Antrag aus der Mitgliedschaft gesondert abgestimmt wird. Dann, glaube ich, wird sie abgelehnt.

Sollte sie nicht abgetrennt werden, besteht die Gefahr, dass ihretwegen die Satzungsänderungen en bloc abgelehnt werden – wegen dieser Kleinigkeit einer optionalen Umlage, die ohne Mitgliederbeschluss gar nicht erhoben werden kann. Es wäre der mangelnden Kommunikation zu Schulden. Und dass dadurch die Satzungskommission mit ihren Vorschlägen scheitern würde, hielte ich für wirklich fatal.

Ein Wort noch zur Satzungskommission: Hört sich kompliziert an, aber hierbei handelt es sich um eine Gruppe von Leuten, die mit Sachverstand und Herz am FC Schalke 04 hängen. Mit mehreren Fans, die juristisch Ahnung haben, und an ihrem Verein arbeiten wollen, um ihn besser zu machen. Sie haben gerungen mit Vereinsvertretern und gute Lösungen gefunden. Hoffentlich sehen das auch die Mitglieder am Ende so.

Klicktipp: Wer mehr wissen will, sollte sich die Veranstaltung mitGEredet anschauen. Hier gibt es den Mitschnitt der Podiumsdiskussion mit den Mitgliedern der Satzungskommission. Sehr erhellend, mit zahlreichen kritischen Einwänden.

Aktualisierung am Freitag, 26. Juni: Wie die Ultras Gelsenkirchen schreiben, werde über die Sonderumlage nach den Protesten nun doch getrennt abgestimmt. Diese Information wird auch in diversen Gruppen bei Facebook gestreut.

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