Das Non-Derby

1 Mrz

Panorama-Foto 270 Grad

Zu einem Derby im Fußball gehört immer folgendes: zwei Mannschaften, die mit aller Kraft versuchen, mit vollem Einsatz dieses Spiel zu gewinnen. Das macht für mich die Definition eines solchen Duells zweier Rivalen aus. Darum war das Revierderby gestern kein richtiges Derby. Dem BVB fehlte zu Hause der entsprechende Gegner.

Schalke, und das sagen am Tag danach auf alle Verantwortlichen in deutlichen Worten, hat bei diesem null zu drei im Westfalenstadion einfach nicht mitgespielt. Von eigenem Versagen war sogar bei einigen Profis die Rede. Selbst die Pfiffe gegen die eigene Mannschaft nach Spielschluss seien berechtigt gewesen. Wer so etwas sagt, der ist zumindest mit der Aufarbeitung des Dargebotenen schon auf dem Wege der Besserung. (Nach dem null zu zwei gegen Real Madrid hatte ich genau das an dieser Stelle noch kritisiert: zu viel Selbstzufriedenheit.)

Nun, nach sechs Spielen seit Ende der Winterpause, kann man dann auch schon mal Zwischenbilanz ziehen. Und die fällt, anders als noch nach den ersten drei Spielen der Rückrunde, inzwischen auch sportlich einigermaßen negativ aus. In den ersten drei Auftritten nach ziemlich schwachen Vorbereitungsspielen im Winter-Trainingslager war das immerhin ergebnistechnisch ein starker Wiedereinstieg in die Bundesligasaison. Die folgenden drei Ligaspiele und das null zu zwei in der Champions League gegen Real Madrid sorgen jetzt, spätestens seit diesem null zu drei gestern, dann aber doch für einigermaßen große Ernüchterung. Denn sportlich, das kann man jetzt nach diesen Spielen sagen, ist in der Rückrunde mit dem FC Schalke 04 nicht viel los gewesen.

Das Spiel des Trainers, das zunächst einmal auf defensive Stabilität ausgerichtet ist, wird von vielen Fußballfreunden in erster Linie als unattraktiver zerstörender Fußball angesehen. Das er nicht einmal erfolgreich sein muss, haben wir inzwischen auch gesehen. Insofern fehlt dem Trainer nun eigentlich auch die Legitimation dieser Art von Fußball. Vielleicht muss man aber ehrlich gesagt weiter unten ansetzen: in diesem Derby in Dortmund mangelte es an deutlich mehr als nur an einer richtigen taktischen Ausrichtung. Kaum einer unserer Spieler erreichte Normalform, das defensive Absicherungsspiel funktionierte ebenso wenig wie das Eröffnungsspiel nach vorne. Wie soll man dabei auch nur einen einzigen Punkt sammeln? Zumal wir in Dortmund auf einen Gegner getroffen sind, der jetzt nach vier siegreichen Spielen in der Liga zu seiner alten Stärke zurückgefunden hat. Und die ist ligaweit immer noch maßgebend. Was man bei sportlicher Unterlegenheit in jedem Fall aber von seiner Mannschaft erwarten darf, zumal in einem Derby, ist voller Körpereinsatz und Aufopferung bis zum letzten. 

Auch diese Tugend beherrscht Borussia Dortmund in den vergangenen Jahren deutlich mehr als Schalke 04. Symbolisch für den Rest der Mannschaft stand für mich Kevin Prince Boateng: zwar war er es, der den einzigen ansatzweise erfolgsversprechenden Torschuss nach ungefähr 8 Minuten abgab, aber ansonsten fiel er durch mangelnde Einstellung in Zweikämpfen und bei der Laufbereitschaft auf. Wie man diesen Spieler nach 45 gesehenen Minuten noch guten Gewissens auch in der zweiten Halbzeit wieder aufs Spielfeld lassen kann, ist mir wirklich ein Rätsel. Zumal wir mit Max Meyer und Tranquillo Barnetta auf dieser Position durchaus noch Alternativen zur Verfügung hatten, ein Offensivspieler der Schalker hätten aufziehen können.

Eines muss man schutzgebend auf jeden Fall erwähnen: mit der Achse Ralf Fährmann – Joel Matip – Julian Draxler und Jefferson Farfan in guter Form hätten wir ganz sicher ein Team mit anderem Format auf dem Platz gehabt. Auch das rechtfertigt aber noch lange nicht, dass sich die anderen, die in die Bresche springen müssen, nicht mit 100 % in dieses Spiel einbringen. Auch das ist dann am Ende vielleicht der sportlichen Leitung oder dem Trainer-Team vorzuwerfen: es ist ihnen nicht gelungen, den Spielern die Bedeutung dieses einen Spiels zu vermitteln. Mehr als hohle Phrasen vor dem Spiel, dass dieses Spiel in dieser Region ein ganz besonderes sei, sind am Ende nicht zu verzeichnen. Professionell ist anders.

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