Vorsicht: Selbstzufriedenheit

19 Feb
So sah es aus, als die Kanonen explodierten und die Bierschürzen flogen: Ein tolles Bild über der Nordkurve.

So sah es aus, als die Kanonen explodierten und die Bierschürzen flogen: Ein tolles Bild über der Nordkurve.

Ja, ich bin mit der Leistung der Mannschaft auch nicht total unzufrieden. Schalke hat sein Champions-League-Achtelfinale daheim gegen den Titelverteidiger Real Madrid mit 0:2 (0:1) verloren. Das kann passieren. Aber was nicht passieren darf: Spieler, Trainer, Manager – alle äußern so etwas wie Zufriedenheit.

Ich will mich ungern auf Oliver Kahn berufen – aber eine kleine Portion Oliver Kahn könnte so manchem Spieler gut tun. Denn nach der Niederlage daheim hörte man fast nur zufriedene Stimmen: Wir waren gut, haben uns deutlich besser gewehrt als beim 1:6 vor einem Jahr an selber Stelle. Real hatte nur zwei echte Tor-Chancen (und hat beide gemacht), wir haben also insgesamt gut verteidigt. Und wenn der Ball, den Felix Platte an die Latte knallt, den 1:1-Ausgleich bedeutet, dann haben wir ein ganz neues Spiel. Und, ach ja: Wenn erst einmal alle Spieler wieder fit sind…

All das hörte man nach dem Spiel. Zwei Spielern hätte ich diese Aussagen sogar gestattet: Timon Wellenreuther im Tor, 19 Jahre alt, ganz stark in einigen Aktionen, äußerte sich ehrlich – er sagte, es sei schon geil, gegen Real Madrid in der ausverkauften Arena spielen zu dürfen. Und er habe zwar zwei Bälle aus dem Netz rausgeholt, aber ansonsten sei er mit seiner Leistung richtig gut zufrieden. Und Felix Platte, di Matteos überraschendster Griff des Abends. Er kam, als Huntelaar verletzt vom Feld musste, also nach etwa 25 Minuten. Auch er 19, hatte erst vor ein paar Tagen sein Bundesliga-Debüt gefeiert. Nun sollte er in vorderster Linie 1:1 Huntelaar ersetzen. Das überraschte insofern, als dass man eher damit hätte rechnen können, dass Boateng – wie sonst schon oft – in die erste Linie vorrückt und der Trainer Barnetta oder Meyer oder Sam bringt, die im zentralen offensiven Mittelfeld Boateng ersetzen. Es kam anders, Platte hatte Pech mit seinem Knaller an die Latte nach etwa 75 Minuten und machte auch sonst einen guten Eindruck. Klar, der durfte sich auch nach dem Spiel noch freuen.

Aber auch Höwedes und Heldt zum Beispiel äußerten sich zwar nicht glücklich, aber doch im Kern ganz zufrieden.

Da nähern wir uns einem Problem in seinem Kern: Denn diese Zufriedenheit zeichnete sich so ein bisschen schon vorher auf dem Spielfeld ab. Oder wie ist zu erklären, dass die Heimmannschaft an ihrer taktischen Ausrichtung des Spiels auch nach 60 Minuten nicht abrückte. Da führte der Gast 1:0. Da ist doch klar, dass man fortan mehr riskieren muss. Das geht immer etwas auf Kosten der Defensivstabilität, aber ich finde, es hätte sein müssen. So konnte sich Real die Bälle weiter an der Mittellinie quer zuspielen, denn Schalkes Attackier-Zone beginnt nun mal erst ab Höhe Mittelkreis der eigenen Hälfte. Dort standen die Blauen weiterhin dicht und verschoben gut, aber das reicht in so einer Spielsituation einfach nicht mehr. Da muss die erste Reihe auch mal rausrücken, alle schieben nach, um früher zu attackieren und Druck auf die ballführenden Spieler auszuüben.

So kann man Schalke am Ende eine starke Anfangsphase und auch insgesamt eine ordentliche erste Hälfte bescheinigen. Und eine zu wenig aufstrebende zweite. Joél Matip sagte, man habe sich einigermaßen gut verkauft. Ja, hat man – aber man hat verloren, und das sollte jeden Spieler in allererste Linie eines: ÄRGERN.

 

Zufrieden sein können wir mit der stimmungsvollen Moment-Choreo, hier in meinem Video dokumentiert:

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Eine Antwort to “Vorsicht: Selbstzufriedenheit”

  1. Andreas Schulz 19. Februar 2015 um 12:47 #

    Ich habe mich geärgert, weil ich vorher dachte, dass wir mehr schaffen können! Scheinbar im Gegensatz zu vielen „offiziellen“ Schalkern – aber ich bin auch nur Fan seit einigen Jahren 🙂

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