Meinungsvielfalt

7 Feb

Selten gibt es Fußballspiele, nach denen die Meinung über die Güte einer erbrachten Leistung so weit auseinander geht wie nach dem 1:0 unserer Schalker gegen Borussia Mönchengladbach. Es gab schier unzufriedene Gesichter auf der Tribüne und sehr zufriedene. Wie kann das sein?

Es liegt an den Erwartungen an die Mannschaft: Viele haben offensichtlich noch nicht gemerkt, dass Roberto Di Matteo ernst meint, was er zum Start gesagt hat. Er wolle zunächst man die Defensive stabilisieren. Nach dieser Woche zum Rückrunden-Auftakt mit 7 Punkten aus 3 Spielen, darunter zwei Spiele gegen Spitzenmannschaften, geschafft mithilfe von lediglich 3:1-Toren, kann man sagen: Ziel vorerst erreicht.

Das geht auf Kosten der Qualität des Offensivspiels, das ist doch klar. Schalke besinnt sich auf defensive Stabilität, was in einer kompakten Spielweise mündet: Selten lösen sich Spieler weit aus der dichten Barriere, die im 3-2-3-2 vor allem das Zentrum zustellt, aber auch auf den Flügeln durch die Dreierkette im Abwehrzentrum schnell mit dem Halbverteidiger verstärkt werden kann. Die Riegel verschieben sehr massiert in einem Korridor von 20 bis 30 Tiefenmetern. Und nur, wenn es große Erfolgsaussichten auf einen gefährlichen eigenen Konter gibt, lösen sich mehrere Spieler aus diesem Verbund.

Schalke wollte nicht gestalten, sondern in erster Linie zerstören. Das frühe 1:0 spielte dem Team in die Karten, und welche bessere Taktik kann es gegen einen extrem konterstarken Gegner geben? Die Raumspieler Kruse oder Raffael fanden extrem wenig Platz zur Entfaltung ihrer Spielintelligenz und ihres Tempos.

Sich an so einem Spiel als Zuschauer zu erfreuen, verlangt aber eine gewisse Grundfreude an taktischen Vorgängen. Wer Fußball wegen seiner Tore und schneller Angriffe liebt, der mag sich an stark geführten Zweikämpfen, einem guten Verschieben und einem Vermeiden von Gegner-Chancen eben nicht ergötzen.

So war es eine Freude, nach dem Spiel noch mit einem befreundeten Fan aus Niedersachsen zusammen zum Parkplatz zu gehen. Der gute Andreas sprach von einem der besten Spiele der Blauen in dieser Saison und war Feuer und Flamme für diese Spielweise beziehungsweise diese Art der Umsetzung eines passenden Matchplans. Höwedes, Matip und vor allem Kirchhoff hatten es ihm extrem angetan in diesem Spiel – ich kann ihm da nur zustimmen.

Wir müssen uns auf diese Art Fußball, bedacht auf Stabilität, einstellen. Das knorrige „Die Null muss stehen“ ist zurück. Nach vorne, das sagte Torschütze Tranquilo Barnetta nach dem Spiel, haben wir genug individuelle Qualität, um gefährlich zu werden, wenn die Arbeit hinten nur stimmt. Da reichen dann auch mal etwas mehr als 32 Prozent Ballbesitz zu einem verdienten Sieg.

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