Das Fitness-Eigentor

6 Nov

Bei den Spielen der vergangenen Wochen ist mehr denn je augenfällig geworden, wie wenig fit unser Team ist. Das hat jetzt auch Benny Höwedes angesprochen und damit die Trainingsarbeit des ehemaligen Trainers nachträglich kritisiert. Was! Für! Ein! Scheiß!

Sorry, aber wie kann ein Mannschaftskapitän das jetzt öffentlich einem ankreiden, der weg ist und sich nach seinem Rauswurf fair verhalten hat (muss er ja auch, schließlich steht er noch unter Vertrag und wird sich jetzt nichts zuschulden kommen lassen, das den Fortbestand gefährden würde)? Ist gerade er nicht in der Verantwortung, sowas vorher anzusprechen? Wie schlecht muss sein Vertrauensverhältnis zum Trainer gewesen sein?

Und was ist mit Horst Heldt? Es stimmt ja: Schalke hat verhältnismäßig wenig trainiert unter Keller. In Magath-Zeiten gab es zwei, drei Tage pro Woche in spielfreien Wochen doppelte Einheiten von ordentlicher Länge. Unter Keller kaum. Das muss ein Manager doch sehen und ansprechen! Früher, unter Huub und Rudi, gab es morgens, jeden Morgen, ein Vier-Augen-Gespräch der beiden über den Stand der Dinge. Gab es das bei Heldt und Keller auch? Braucht nicht ein junger, unerfahrener Profi-Trainer einen engen Begleiter oder Supervisor? Hätte nicht mal so geredet werden müssen: „Du, Jens, unter Magath haben wir viel häufiger trainiert. Und in anderen Proficlubs wird auch mehr gemacht. Was meinst du?“ Und warum hat der für die Fitness zuständige Co-Coach, der sich mit solchen Körper-Geschichten am besten auskennen sollte (hat das ja studiert / gelernt), nicht mehr Zeit gefordert?

Das sind unfassbare Zustände, die die ganze Führung und den Charakter der Spieler in einem sehr schlechten Licht dastehen lassen. Das ist unprofessionell!

Was jetzt am Rande unserer Spiele zu beobachten ist: Auf Schalke wird wieder härter an der Fitness gearbeitet. (Trainingskiebitze mögen das gern um ihre Eindrücke vom Berger Feld ergänzen.) Das Aufwärmprogramm vor einem Spiel ist professioneller geworden: Es wird in Spielformen gearbeitet – die Abwehrkette macht Übungen mit Co-Trainer Lombardo. Es geht ums Verschieben, Engmachen von Räumen und um die schnelle Spieleröffnung nach Balleroberung. Die Offensivkräfte arbeiten gleichzeitig mit Co-Trainer Hübscher: schnelle Kombinationen, Abschlüsse. In der Halbzeitpause machen die Ersatzspieler ein ungefähr siebenminütiges, angeleitetes Aufwärmprogramm. Und nach dem Spiel in Lissabon liefen alle Reservespieler inklusive der eingewechselten Kirchhoff und Sam – aber OHNE den erneut sonderbehandelten Boateng – 15 Minuten in einer Art Pendelläufe auf und ab.

Das verbessert nicht gleich die Ausdauer, aber es ist ein gutes Signal.

Ein Fußballprofi bekommt heute wie nie den Hintern gepudert. Um nichts muss er sich allein kümmern, alles wird ihm abgenommen. Er soll sich voll aufs Wesentliche fokussieren können. Was ein Profi noch so macht, wenn er an einem Dienstag 90 Minuten trainiert hat? Er hat satt und genug Zeit, an sich selbst zu arbeiten. Laufen, Kraftaufbau, irgendwas, was ihn selbst besser macht. Vielleicht sogar schön angeleitet in einer Trainingsgruppe.

Das zweite große Defizit der Mannschaft neben der Fitness ist aus meiner Sicht übrigens deren Mentalität: Es fehlt der unbedingte Wille, die Geilheit. Nicht nur nach Siegen, sondern auch nach sportlicher Fitness.

In einem sehr treffenden Kommentar greifen die Ruhr Nachrichten das Thema auf. Für die arbeite ich.

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Eine Antwort to “Das Fitness-Eigentor”

  1. Jochen 9. November 2014 um 00:43 #

    Danke für diesen Kommentar, er spiegelt in allen Punkten meinen Eindruck wieder. Nach dem Spiel gegen Freiburg kann ich nur noch ergänzen, dass dies das schlechteste Spiel der Saison war. Da frage ich mich doch, warum wurde Jens Keller entlassen?

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