Das Derby der Rückkehr

27 Sep

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Dieses Spiel, dieses große Derby, dieses 2:1 (2:1) unserer blauen Elf gegen selten schwache Dortmunder war ein Rückkehr-Spiel in vielerlei Hinsicht. Es war am Ende vielleicht auch glücklich, aber absolut verdient. Und es hatte ein zentrales Gewinner-Element.

Das zentrale Element: Schneid abkaufen in der ersten halben Stunde. Genau das, was ich hier in der vergangenen Woche gefordert hatte. Ich weiß nicht, ob es Derby-Psychologie oder ein Gesinnungswechsel beim Matchplan war. Jedenfalls was unser Auftreten von Anpfiff an geprägt von Aggressivität und einem Gegen-den-Mann-und-Ball-Verteidigen. These: Wären wir so gegen Frankfurt ins Spiel gegangen, hätten wir die Eintracht mit 4:0 weggefegt.

Egal, jetzt war Derby. Und Derby heißt sicher in jedem einzelnen Spielerkopf eine Spur mehr Motivation, mehr Emotionalität, mehr Härte und Einsatzkraft. Wir haben die Dortmund früh attackiert. Und hatten selbst eminent viel Ballbesitz und Feldüberlegenheit. In die Karten spielte uns dabei sicher eine sehr schwache Dortmunder Leistung auf fast allen Positionen, wie man das selten gesehen hat in den letzten vier, fünf Jahren. Aber das war auch unser Verdienst: Druck erzeugen heißt nämlich provozieren von Fehlern. Und die hatten sie reichlich, vor allem bei den Gegentoren, aber auch bei der eigenen Spieleröffnung.

So war Schalke von zwei ersatzgeschwächten Teams mit Abstand das, das das besser kompensierte. Herauszuheben sind dabei einige Einzelspieler:

Ralf Fährmann: Ganz sicher in jeder Phase des Spiels. Rückhalt, auf den sich die Abwehrreihe verlassen kann. Einige gute Paraden und große Präsenz bei hohen Bällen, zudem verlässlicher Mann bei Rückpässen.

Joel Matip: Vor allem nach der Pause eine Bank mit seinem irre starken Stellungsspiel und seiner unnachahmlichen Antizipation. Dazu die langen Gräten, mit denen er immer wieder die Kugel wegspitzelte und zudem sehr präsent im Kopfballspiel war. Und das nach Verletzungspause. Toller Einstand! Bonus: das Tor. Nicht seine Hauptaufgabe, aber

Roman Neustädter: In der Innenverteidigung deutlich besser aufgehoben als eine Reihe weiter vorn. Starkes Zweikampfverhalten, zum Teil gutes Eröffnungsspiel. Großer Radius, kaum zu bezwingen. Allerdings kriegt er auch hinten diesen „einen Fehler“ nicht aus seinem Spiel – und der führte zum 1:2.

Atsuto Uchida: Einfach wow! Kilometerfresser, stark wie selten im Defensivzweikampf. Mit Sam, aber vor allem mit einem meiner Matchwinner Christian Clemens ein gutes Tandem, wobei er sich vor allem auf die Defensive konzentrierte. Richtige Entscheidung. Am Ende müde, aber sicher Stolz. Fast besser denn je.

Dennis Aogo: Unauffälliger als Uchida, aber ließ über seine Seite nichts anbrennen. Manchmal darf er mir noch eine Spur aggressiver im Auftreten sein. Vernagelte unser Tor am Ende auch als Sechser ordentlich mit.

KP Boateng: Der Leader? Man warf ihm vor, diesen Anspruch nicht oft zu erfüllen – vor allem in den dicken Spielen. Das war diesmal anders. Er war physisch sehr präsent, aggressiv, aber diszipliniert. Noch besser gefiel mir sogar…

Marco Höger: Hatte in der Schlussphase Probleme nach einem Zusammenprall. Sah nach Schwindel/Kopfschmerzen aus. Vorher eines seiner besten Spiele auf Schalke. Stark im Zweikampf, große Ballsicherheit, Aktivposten.

Max Meyer: Wow, was für eine erste Halbzeit. War überall zu finden und so wuselig wie noch nie. Zweite Hälfte dann deutlich schwächer, aber auch, weil Schalke sich nach dem 1:2 etwas zurückzog.

Sidney Sam: Erlebte die 40. Minute nicht auf dem Feld. Ihn fehlte Zweikampfhärte und Tempo in den Aktionen, wirkt federleicht – zu leicht für Spitzenfußball. Seine Auswechslung war aber Glück fürs Schalker Spiel. Für ihn kam der großartige…

Christian Clemens: Na endlich! Angekommen auf Schalke. Erinnert an Lukas Podolski: Extrem massiger Oberkörper, aber trotzdem blitzschnell. Arbeitete mit nach vorne, war auch an manchen Konter in der Schlussphase Angelpunkt. Aber vor allem in seiner Arbeit nach hinten massig und wuchtig. Bessere Wahl als Sam – ist das sein Durchbruch auf Schalke gewesen?

Eric-Maxim Choupo Moting: Er ist immer gut für ein Tor, auch heute wieder. Das macht ihn wertvoll. Dribblings ins Leere und zu wenig Härte in der Ballbehauptung wird man bei ihm aber sicher immer wieder sehen – heute auch. Ist einfach kein klassischer Flügelstürmer.

Klaas Jan Huntelaar: Musste sich von der Tribüne um mich herum anhören, gar nicht in Spiel zu sein. Stimmt aber mE nicht: Er hatte nur die Torszenen nicht, die man von ihm erwartet. Zumindest nicht vor der Schlussphase. Aber war zweikampfhart, arbeitete mit nach hinten und hatte seinen genialen Moment kurz vor Schluss, als er im Konter schon viel zu weit nach außen geschickt schien. Er umkurvte zwei Mann im Robben-Stil und verlud Weidenfeller, der Ball rollte aber doch ganz knapp vorbei.

Wir sind zurück! Zurück beim aggressiven Fußball, der uns zuletzt abging, weil viele Leute fehlten und wir offensichtlich abwartend statt agil gespielt haben. Ich hoffe, das Derby war ein Weckruf: Arbeit und Angriff werden belohnt.

Herrlich war die Stimmung in der Arena – alle Blauen standen endlich wieder 100-prozentig und geschlossen hinter Team und Trainer. Ein Traum war der Support in den letzten 20 Minuten – das ganze Stadion steht und singt. Selten so herrlich gefeiert, gefiebert. Ein Tag fürs königsblaue Herz!

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