Anfangsphasenverweigerer, die

20 Sep

Bei aller Freude über Kampfgeist nach der Pause, über ein egalisiertes 0:2, aller Fokussierung auf zwei Platzverweise, allem Applaus nach dem Spiel: Ich bin sehr verwundert darüber, dass wir neuerdings Startphasenverweigerer in blauen Hemden sehen. Damit haben wir uns ein Spiel gegen einen maximal mittelmäßigen Gegner kaputt gemacht. Die Rettung des Punktes ist für mich kein Trost.

Schalke hat in dieser Saison eine sehr prägnante Startphasen-Haltung, eine, die diametral zum Trend liegt: Wir spielen abwartend, gemütlich, vorsichtig. Das Gegenteil von aggressiv. Man kann es auch lethargisch nennen. Und das, während alle ambitionierten Mannschaften der Liga einen Affentanz leisten, der sich Pressing und Gegenpressing nennt. Man muss das nicht so exzessiv machen wie Bayer Leverkusen, aber man muss doch aggressiv auf den ballführenden Spieler gehen. Wie will man sonst ein Fußballspiel gewinnen?

Man zeige mir mal einen aggressiv geführten Defensivzweikampf eines unserer Spieler in den ersten 30(!) Minuten des heutigen Spiels. Selbst nach dem 0:1 blieb die Lethargie.

Ich habe beim Stand von 0:1 bei Ballbesitz blau mal beobachtet, wie viel Bewegung bei den Spielern ohne Ball war. Ich sage es euch: Es bewegten sich meist ein, maximal zwei Spieler in die offenen Räume und Schnittstellen. Bei den anderen ging es nicht über gemütliches Dauerläufen oder Stehen hinaus.

Was steckt dahinter? Das wüsste ich gern, ich weiß es aber nicht. Darum drei Überlegungen:

(1) Trainer Jens Keller sagt der Mannschaft vor dem Spiel: Lasst uns abwartend ins Spiel gehen, nicht ins offene Messer laufen. Erstmal ins Spiel finden, dann unser Angriffsspiel über außen aufbauen. Das ist in mehreren Spielen (Bayern, Chelsea, Gladbach) in die Hose gegangen. Daran kann man doch dann nicht festhalten, vor allem nicht zu Hause gegen Frankfurt, wenn ein Sieg Pflicht ist.

(2) Trainer Kellers Matchplan ist aggressives Attackieren des Gegners und schnelles Spiel nach vorne – er bringt das nur nicht in die Köpfe der Spieler. Oder die Spieler machen einfach nicht, was ihr Trainer vorgibt. Das ist mindestens genauso schlimm wie (1). Dagegen spricht allerdings das ebenfalls recht ruhige Verhalten Kellers am Spielfeldrand.

(3) Keller argumentiert mit der Sondersituation vieler Ausfälle und setzt deshalb auf abwartende Strategie. Ebenso fatal. Man muss doch gerade in einer solchen Situation und auf eigenem Platz vor allem auf die Karten Kampf und Aggressivität setzen.

Es ist wieder mal eine These ohne Beleg, aber wenn wir hier aggressiv aufgetreten wären, hätten wir Frankfurt deutlich im Griff gehabt. Klar kann man dann in Konter laufen. Aber dieses Risiko vor eigenem Publikum, das entfesselt werden will, muss man eingehen.

Früher, als die Arena neu war, da hieß es anfangs, man dürfe sich vom Donner nicht zu sehr anstacheln lassen. Damals war das eine richtige Reaktion, heute ist die Welt eine andere. Die Stadien sind heute alle gleich. Alles irgendwie Hexenkessel.

Mit einem aus meiner Sicht überheblich gelöffelten Elfmeter und einem gut vorbereiteten Ausgleichstreffer von Choupo mag ich mich nicht beschäftigen. Lieber mit der Nichtleistung von Christian Fuchs. Nicht beschäftigen mag ich mich mit dem Schiedsrichter, der aus meiner Stadionsicht mit beiden Platzverweisen gegen uns richtig lag und auch bei den Handspiel-Entscheidungen im Strafraum eher pro Schalke entschieden hat.

Diese Anfangsphasenstrategie muss dringend thematisiert werden. Meine Befürchtung ist allerdings, dass die zweite Halbzeit und die Diskussion über die Sperren für Draxler und Prince das für mich zentrale Problem überdecken.

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