Am Rande: Blogger wird nach Pyro-Kritik bedroht

5 Mrz

[UPDATE] Mal ein ganz anderes Thema: Es geht nicht um Schalke. Es geht auch nicht im Kern um Fußball. Sondern es geht um Ultras, um Pyrotechnik im Stadion und ums Bloggen. Um einen Werder-Blogger, der nach einem kritischen Blogpost zum Verhalten der eigenen Fans beim Nordderby tatsächlich bedroht wird.

T. schreibt auf seinem Blog „Grün-Weiße Stimmungslage“ vor einer kleinen dreistelligen Zahl an Lesern aus der Werder-Fanszene. Über den SV Werder, das Sportliche wie das Drumherum. Sprachlich gut, inhaltlich interessant. Außerdem bloggt er für fankultur.com unter gleichem Namen. Oder sagen wir besser: Er bloggte. Denn via Facebookpost hat er sich jetzt in einem ausführlichen Schreiben vom Bloggen verabschiedet.

Hintergrund ist ein kritischer Blogpost nach dem 1:0-Sieg des SV Werder gegen den HSV. Darin gibt er die Stimmungslage unter den Werder-Fans sehr subjektiv wieder. Zentrale Aussage: Das Spiel, das von toller Choreo und guter Stimmung begleitet war, drohte letztlich noch zu kippen, weil Anfang der zweiten Hälfte in der Ostkurve ein Feuerwerk gezündet wurde, das sogar eine minutenlange Spielunterbrechung zur Folge hatte. 90 Prozent der Fans im Stadion, schreibt er, hätten diese Pyro-Show der eigenen Fans mit Unmut begleitet.

In seinem Facebook-Post kündigt er nun an, nicht mehr bloggen zu wollen. Nicht, weil ihm die Kommentare und eine intensive Diskussion über das Thema nicht gefielen, sondern weil er offenbar in der Nacht von einem Unbekannten heimgesucht wurde. Der warf einen Stein gegen das Fenster seiner Wohnung und hinterließ im Briefkasten ein Drohschreiben. Darin unter anderem: Er solle aufpassen, ihm wurden massive Konsequenzen angedroht; und er solle sich besser nicht in der Ostkurve sehen lassen.

Bei Facebook wird er nun von seinen Followern aufgemuntert. Einige schreiben, er solle weiter machen, um sich den Drohungen nicht zu beugen.

Es ist eigentlich kein Schalke-Thema. Aber es ist ein weiterer Hinweis auf Dinge, die in Deutschlands Fußball im Argen liegen.

Update: Das bei WordPress gehostete Blog (Link siehe oben) und die Facebook-Fanpage sind inzwischen gelöscht. Auch der Post, in dem der Werder-Blogger die Löschung ankündigte. Ich kann diesen Schritt nachvollziehen, denn Bloggen ist nicht mehr als das Ausleben der Freude am Schreiben. Wenn das mit leiblicher Unversehrtheit bezahlt werden soll oder auch nur die Gefahr dazu besteht, dann ist nur verständlich, wenn man es lieber sein lässt. Es ist aber sehr, sehr bedauerlich.

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