Kerle gegen Halbstarke – Real gegen Schalke

25 Feb

schalke-madridDer Mann-gegen-Mann-Vergleich jagt einem in gewisser Weise Angst und Schrecken ein: Schalke gegen Real Madrid ist irgendwie wie eine Schülermannschaft gegen Profis. Das macht es vielleicht aber gerade so reizvoll, dieses Spiel zu betrachten. Ich habe mir mal die einzelnen Duelle angesehen – und das fiel nicht immer nur zum Nachteil von Schalke 04 aus.

Ralf Fährmann gegen Iker Casillas: Real Madrid hat seit eh und je den Nationaltorwart der Spanier im Kasten. Den kann man vom Niveau her locker mit Manuel Neuer vergleichen. Interessant: Er hat die sechs Spiele in der Champions League für Real bestritten. Und sieben der acht Pokalspiele im Copa del Rey. Aber in der Liga sitzt er auf der Bank: Keine einzige Einsatzminute bisher, die 25 vollen Spiele machte die Nummer 1b, Diego López – ebenfalls in der Nationalmannschaft. Was das soll, ist nicht ganz klar und überaus ungewöhnlich. Aber daraus zu schließen, dass Casillas gegen uns nicht in Topform ist? Nee, das geht wahrscheinlich nicht. Ralf Fährmann bei uns im Kasten ist sicher von der Qualität her locker mal zwei Stufen unter Casillas anzusiedeln. Aber: Form schlägt Klasse – und zurzeit hält Fährmann ebenso gut wie einst Manuel Neuer, als er bei uns im Kasten stand. Er ist absoluter Leistungsträger, stärkt der Mannschaft von hinten den Rücken – auf ihn kann man sich zurzeit zu 100 Prozent verlassen.

Joél Matip und Felipe Santana gegen Karim Benzema: 18 Saisontore hat Karim Benzema in dieser Spielzeit erzielt. 14 in der Liga, zwei im Pokal, zwei in der Champions League. Er ist Vielspieler: 1923 Minuten hat er in der Liga gespielt, das ist der zweithöchste Wert nach Torwart López. Er stand 23 Mal in der ersten Elf, einmal kam er später, wurde er geschont. Benzema ist 26 Jahre jung udn hat einen Marktwert von 36 Millionen Euro. In 348 Profi-Einsätzen kommt er auf 160 Tore – das ist eine Spitzenquote. in 64 Länderspielen für Frankreich traf er 18 Mal. Nur neun gelbe Karten in all den Spielen: Fair agiert er auch noch.  Benzema spielt in der fünften Saison für Real Madrid, kam einst als sehr großes Talent; ist beidfüßig und seit November 2012 (kleiner Oberschenkelverletzung) verletzungsfrei. Der Mittelstürmer wird sich zwischen Matip und Santana aufhalten und immer wieder Zweikämpfe mit ihnen haben. Matip hat zurzeit seine stärkste Phase, seit er im Profikader steht: Er ist wegen der Verletzungen von Papadopoulos, Höwedes und Kolasinac seit Monaten absolut gesetzt, unser erster Innenverteidiger. Was ihn stark macht: seine Antizipation und Präsenz im Kopfballspiel. Seine Schwäche sind die Aussetzer, die er sich immer mal wieder leistete, und die Spieleröffnung. Bei beidem hat er sich in den letzten Wochen enorm stabilisiert. Santana schwankt manchmal binnen Sekunden zwischen Himmel und Hölle: Im einen Moment steht er goldrichtig (und klärt in Leverkusen auf der Linie), nur Sekunden später haut er den Ball ins eigene Tor (siehe ebenfalls Leverkusen). Im einen Moment setzt er eine grandiose Grätsche (siehe Spiel gegen Mainz Mitte/Ende der ersten Hälfte) und bremst einen Konter, im nächsten Moment spielt er den gerade eroberten Ball in die Füße des Gegenspielers oder ins Seitenaus (ebenfalls siehe Mainz). Er ist ein Unsicherheitsfaktor.

Tim Hoogland gegen Cristiano Ronaldo: Vor CR7 muss man einfach Angst haben. Es gibt zurzeit keinen besseren auf der Welt als den Weltfußballer des Jahres. Er trifft, wie er will, so oft er will, hat den irrsten Schuss und den schnellsten Antritt – und eine wahnsinnige Präsenz. Anderer Typ als Messi, und dem Argentinier zurzeit beim Duell um den Besten eine Nasenlänge voraus. Tja, und Tim Hoogland, der auf Rechts hinten zuletzt in der Startformation stand, weil Uchida verletzt ausfällt: Er ist sicher einer der schwächsten Schalker. Er schaffte es in der handvoll Einsätzen in der Startelf nicht, zu demonstrieren, dass er uns weiterhelfen könnte. Defensiv noch einigermaßen akzeptabel, hat er es gegen Mainz geschafft, seinen Partner auf der rechten Bahn – Jefferson Farfán – zu entnerven. Man sah: Jeff mied Pässe zu Hoogland, wo immer es ging. Vermutlich, weil er ihm nicht zutraute, dass er etwas gewinnbringendes mit dem Ball anstellt. Ich habe auch ehrlich gesagt nichts dergleichen gesehen. Man muss sagen: Da treffen Welten aufeinander. Aber ganz gleich, wen man gegen Ronaldo stellt – es gibt keinen, der ihn stoppen kann. Haben wir damals bei Ronaldo im Trikot von Inter Mailand in der Saison 97/98 übrigens auch gedacht. Und was war? Yves Eigenrauch machte eines seiner besten Spiele auf Schalke – er nahm ihn komplett aus dem Spiel. Mein Tipp an den Trainer: Wechseln – Kaan Ayhan bringen. Der ist unbedarft, frisch, er bringt jugendliche Dynamik mit. Er ist natürlich Ronaldo auch nicht gewachsen, aber ihm traue ich mehr zu als Hoogland. Nur Mut! 

Sead Kolasinac gegen Gareth Bale: Bale. Dieser 100-Millionen-Mann. Hat eine holprige Startzeit bei Real hinter sich. Der Waliser kam nicht so richtig ins Rollen, wollte auch bisher einfach nicht der Liebling der Fans werden. Er ist Linksfuß, spielt Rechtsaußen und hatte immer wieder kleine Wehwehchen – man wusste aber nie so genau, was genau es ist. 14 Startelf-Einsätze in der Liga (zehn Tore), drei (von sechs) in der Champions League (zwei Tore). Die Torquote spricht für ihn. Aber in Madrid will man Show, will man Zauberkunst. In 41 Länderspielen für Wales schoss er elf Tore. Kein trockenes, solides Handwerk. Bale ist gerade mal 24 Jahre alt, da kann ja noch was kommen. Die knapp 100 Millionen Euro waren für Real eine Wette auf die Zukunft. Sead Kolasinac hat sich in den vergangenen Wochen seinen Stammplatz in der Hintermannschaft erarbeitet. Er ist nicht immer durchweg überzeugend unterwegs, leistet sich ab und an mal einen kleineren Fehler. Aber  die Grundstatur und die Grundtugenden stimmen: stets voll dabei, auch mit Qualität in der Ballbehandlung gesegnet – und mit einem Willen, der ihn so stark macht. Man muss nur an diesen genialen Flankenlauf erinnern, mit dem er im Heimspiel gegen Hannover 96 das 1:0 einleitete. Er könnte Bale so richtig schön zur Last fallen.

Roman Neustädter gegen Luka Modric: Modric erinnert so ein bisschen an Max Meyer – oder besser: umgekehrt. Er ist beidfüßig, 1,72 m klein und wieselflink. Er ist 28 Jahre jung und hat schon fast 80 Länderspiele für Kroatien bestritten. Auch ist er in dieser Saison absoluter Stammspieler, war fast immer von Anfang an dabei. Real verpflichtete den Kroaten von Tottenham Hotspur, wo er vier Jahre lang spielte. Nun ist er in seiner zweiten Saison in Spanien und gestaltet das Spiel von Real aus der Zentrale. Er ist keiner mit allzu überbordender Torgefahr (zwei Saisontore). Auch die Assists passen noch fast in eine Hand (6). Ihn kaltzustellen, wird vermutlich die Aufgabe von Roman Neustädter sein. Unser Sechser ist ein umstrittener Mann: In der Hinrunde leistete er sich einen Knüppel nach dem anderen, in der Vorsaison spielte er auch nur zu Beginn wirklich überzeugend und schaffte es (verdientermaßen!) in den Kader der Nationalelf. Danach brach seine Leistung förmlich zusammen. Inzwischen hat er sich deutlich gefestigt und trägt mit seiner Leistungskurve zum beachtlichen Rückrundenauftakt unserer Mannschaft bei. Er kann, wenn er daran anknüpft, ein guter Widersacher für Modric sein. 100 Prozent auf ihn verlassen kann man sich aber aufgrund der Leistungen im abgelaufenen Kalenderjahr nicht. 

Kevin Prince Boateng gegen Angel di María: Boateng gehört in unserem Team zu den Anführern – noch mehr an diesem Abend. Den er hat internationale Klasse und Härte längst bewiesen, unter anderem im Trikot des AC Mailand. Er hat gegen Mainz zuletzt nicht überzeugt, war aber ansonsten auf der Achter-Position im defensiven Mittelfeld mit etwas mehr offensiver Ausrichtung zuletzt endlich genau an der richtigen Stelle im taktischen Konzept. Zuvor musste er oft als Sturmspitze für Klaas Jan Huntelaar oder auf der Zehn für den verletzten Draxler ran. Wenn er von weiter hinten kommt, kann er seine Stärken (Ballbehauptung, Zweikampf, Spieleröffnung) besser einbringen. Der Argentinier Angel di María ist Vielspieler im Kader von Real Madrid. kam 2010 von Benfica Lissabon und ist auf der rechten Seite zu Hause. Er ist Linksfuß und sehr offensivstark: drei Tore und fünf Torvorlagen in der Champions League, sieben Torvorlagen und drei Tore in der Liga. Alle Achtung.

Max Meyer gegen Xabi Alonso: Ein Mittelfußbruch setzte Xabi Alonso bis Mitte Oktober außer Gefecht. Seitdem ist er als Stammspieler gesetzt im Mittelfeld von Real. Ist beidfüßig und in der Zentrale zu Hause. Interessant  wird sein, wer den defensiveren und wer den offensiveren Part im Real-Mittelfeld spielt. Bislang in dieser Saison keine Tore und erst zwei Vorlagen zu Toren – das sind keine grandiosen Werte. Aber mit seiner Erfahrung aus 107 Länderspielen für Spanien und 548 Vereinsspielen ein ganz wichtiger Mann: Er stand schon in 88 Partien der Champions League auf dem Platz – Wahnsinn! Gegen ihn könnte man sich gut unseren Jungspund Max Meyer vorstellen. Der kommt ohne Respekt auf den Platz, ist unbedarft, frech, quirlig. In den vergangenen drei Wochen machte er ein kleines Tal durch, was die eigene Form angeht. Überspielt vielleicht? Das kann sein, denn durch die Verletzung von Draxler gönnte ihm Trainer Keller notgedrungen schon lange keine Auszeit mehr. So wird Meyer auch Mittwoch wieder spielen. Für ihn ist es ein großer Abend – ein Abend, an dem er über sich hinauswachsen kann.

Jefferson Farfan gegen Marcelo: Der brasilianische Linksverteidiger gegen unsere Rechtsaußen-Waffe: Das könnte ein Schlüsselduell für das Schalker Offensivspiel sein. Farfán hat eine extreme Schnelligkeit und Spielfreude, wenn es läuft – und so war es in den vergangenen Wochen (mit einer Ausnahme: das 0:0 gegen Mainz). Jeff ist abhängig davon, mit wem er über die Seite kommt. Fürs Offensivspiel wäre es optimal, wenn Uchida ihn von hinten unterstützte, doch der fällt verletzt aus. Ein neuer Anlauf mit Hoogland, oder kehrt Höwedes zurück ins Team? Oder traut sich der Trainer Kaan Ayhan zu? Über Marcelo kann ich wenig sagen: Linksfuß, 25 Jahre alt, Marktwert 25 Millionen Euro, seit sieben Jahren für Real am Ball – also eine Art Eigengewächs aus Rio de Janeiro. Er hat fünf Champions-League-Spiele bestritten in dieser Saison. Dass Fabio Coentrao ihn ersetzt, ist darum eigentlich nicht zu erwarten.

Leon Goretzka gegen Dani Carvajal: Goretzka war für mich einer der überzeugendsten Schalker beim Spiel gegen Mainz, wenn man sich auf die ersten 70 Minuten beschränkt. Danach baute er zu stark ab. Er orientiert sich im Offensivspiel nach innen, war gegen Mainz seiner Position oft untreu. Das kann helfen, wenn woanders Überzahl in Ballnähe gebraucht wird. Sein geniales Tor gegen Leverkusen hat ihn etwas aufgetaut, das spürte man gegen Mainz. So richtig bis zur Grundlinie durchgehen, das hat man von ihm nicht gesehen – und wird es auch gegen Real wohl eher nicht geben. Er selbst sieht sich auch eher als zentralen Part im Spiel. Aber nun wird der junge angehende Abiturient nun mal auf links gebraucht: weil Clemens verletzt ist und sich nicht als stark erwiesen hat und weil Fuchs ebenfalls nicht spielen wird. Carvajal wird vermutlich sein Gegenspieler sein: Rechtsfuß, erst seit dieser Saison bei Real unter Vertrag und aktueller U21-Nationalspieler. Alternative für ihn ist Alvaro Arbeloa:  Erfahrener Mann, seit 2009 im Trikot von Real Madrid, 55-maliger spanischer Nationalspieler. Erfahrung oder Jugend?

Klaas Jan Huntelaar gegen Raphael Varane und Pepe: Die Innenverteidiger von Real Madrid – einer fehlt: Sergio Ramos, 114 Länderspiele und Heißsporn, sah Ende November beim 4:1 gegen Galatasaray die Rote Karte. Er wurde für zwei Spiele gesperrt, ist also erst im Rückspiel wieder mit von der Partie. Varane ist französischer Jung-Nationalspieler (20), litt allerdings bis Ende Januar unter einer Knieverletzung. Inzwischen ist er wieder zurück und wohl bei voller Leistungsfähigkeit. Und Pepe? 1,88 m groß, 81 kg schwer – stämmig, rüstig, erfahren: 66 Champions-League-Spiele hat er schon auf dem Buckel. Dem macht so schnell keiner was vor. Oder? Vielleicht doch: Klaas Jan Huntelaar. Gegen Mainz hing er in der Luft, wurde nicht bedient, sogar in zwei richtig guten Situationen nicht von Meyer und Goretzka angespielt. Das hat den Holländer geärgert – aber am Mittwoch ist er wieder voll da. Jede Einsatzminute nach der halbjährigen Verletzungspause hat ihm gut getan. Er liebt es, gegen große Mannschaften zu spielen. Und er ist unser Knipser, unser Garant für Torgefahr. Dadurch, dass er ein Jahr lang selbst in Madrid gespielt hat, kennt er den Gegner und die Gegenspieler und ihre Fähigkeiten ein wenig. Das könnte ihm eventuell auch helfen und macht ihn in jedem Fall zu einem guten Berater für seine Mitspieler.

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