Nicht mehr lustig: Paolo Tagliavento unter Beschuss

12 Dez

Oh man, war das eine Fehlentscheidung! Was Paolo Tagliavento, Schiedsrichter gestern Abend bei Schalke gegen Basel gepfiffen hat, war schon wirr. Das Abseits, die Verhältnismäßigkeit beim Platzverweis – das war kein guter Tag für ihn und sein Gespann. Klar ist die Enttäuschung groß beim FC Basel und seinen Fans. Aber was der Mann dafür heute einstecken muss, ist schlimm. Das Internet zeigt seine böse Fratze.

Die Meute hat den Schiedsrichter bei Facebook gefunden und überfällt ihn gerade. Dort stellt er selbst sich und seine Arbeit als Schiedsrichter dar. Das tun viele in diesem Netzwerk: Sie schreiben über das, was sie tun, was sie interessiert und das, worauf sie auch ein bisschen stolz sind. Wenn man es als Schiri in die Champions League geschafft hat, darf man ruhig auch stolz darauf sein, denn das schafft man nicht mal eben so.

Nun postet Tagliavento dort offenbar immer seine Spielansetzungen. So wie die am Mittwoch. Und dieser Eintrag hat einen Tag später 270 Kommentare. Darunter sind ein paar launige, es kursieren im Web auch schon wieder die erwartbaren lustigen Bilder: eines, das belegt, dass der Linienrichter die Szene nicht sehen konnte, weil ein Elefant ihm die Sicht verdeckt hat. Ein anderes, in das eine gelbe Linie eingezeichnet ist, die belegt, dass es kein Abseits war – die allerdings nicht so ganz gerade ist und schon gar nicht rechtwinklig auf der Seitenauslinie steht. Humor, finde ich, ist erlaubt, damit muss ein Schiri leben, der sich im Netz offen der Diskussion stellt.

Vieles geht aber weit darüber hinaus: Hurensohn, Bastardo, „wenn der nicht gekauft war“, gekaufte Dreckschwuchtel, was Gazprom wohl bezahlt hat. Auf einer vollkommen inoffiziellen Fanseite von wasweißich für einer Fangruppierung, zu der ein Aufruf „PAOLO STIRB!“ führt, ist eine Fotomontage zu sehen, in der dem Mann ein Messer in der Brust steckt: „zeiget dem Wixxer, was mehr von nem halte“ steht darüber. Ein Nutzer schreibt: „we will find you and we will kill you“. Dieser Post könnte auch die Überschrift „Morddrohungen gegen Schiri“ tragen. Ach ja: „Der Blick“, Boulevardzeitung, führte den Mann heute schon auf der Titelseite des Sportteils vor: „Diese Pfeife kostet den FCB 8 Millionen“. Sie wären vermutlich auch die ersten, die ranspringen würden, wenn sie von den Morddrohungen erführen…

Ich frage mich gerade: Hätten wir mehr Humor oder gäbe es in unserem Umfeld genau solche Deppen, wenn es umgekehrt gelaufen wäre? Ich habe Angst vor der Vorstellung.

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