Wie schlecht war dieses 3:1 wirklich?

9 Nov

20131109-173517.jpgEs gibt dubiose Siege, die aus Spielen resultieren, die über eine lange Zeit eher Zeter hervorrufen als gelöste Unterstützung. Am Ende lagen sich nach dem 3:1 des FC Schalke 04 gegen Werder Bremen dann doch wieder alle in den Armen. Die Kritik auf der Tribüne war lange groß – aber wie schlecht war unser Spiel wirklich?

Ich weiß, dass das eine steile These von mir ist, aber ich wage sie dennoch: Sieht man von der zerfahrenen, nein gehäckselten ersten Viertelstunde und einem unnötigen individuellen Fehler ab, war es ein gutes Spiel unserer Elf, das die Rufe, die zeitweise hämisch waren, nicht rechtfertigt.

Kein System? Gern genommener Vorwurf gegen Trainer Jens Keller. Leute, haltet mal den Ball flach. Wenn eine Mannschaft sich bis zum 1:1 schon sieben oder acht hochkarätige Torchancen erspielt, dann kann das nicht alles nur Zufall sein. Dazu kommt, dass der Gegner an größeren Torchancen erfolgreich gehindert wird. Klammer auf: Das 0:1 ist eine typische Situation, was die Sache sicher nicht besser macht. Meyer erkämpft den Ball, leitet ihn zu Neustädter. Der wird ganz erfolgreich im Gegenpressing von zwei Bremern attackiert, hält dem Druck nicht Stand und verliert das Leder in der Vorwärtsbewegung der Schalker Mannschaft. Diese Saison zigfach gesehen. Tor. Eine unsere größten Schwächen diese Saison. Klammer zu. Wo waren ansonsten gute Chancen der Gäste? Höwedes lief viel ab, gewann entscheidende Zweikämpfe, war einer unserer Besten. Matip diesmal weniger auffällig, aber ebenfalls verlässlich. Jones mit den bekannten Schwächen nach vorne im Eröffnungsspiel, aber deutlich verbessert im Defensivspiel. Und die gelbe Karte basierte aus meiner Sicht auf einen fairen Zweikampf. Einzig Neustädter muss man sicherlich vorwerfen, dass er für unser Spiel zur Zeit ein Unsicherheitsfaktor ist. Ein großer, darum muss er meines Erachtens nach auch aus der Startelf heraus genommen werden. Keller hat es gesehen und ihn nach der Pause ausgewechselt. Richtige Entscheidung des Trainers, genau richtig für die Entwicklung unseres Spiels in der zweiten Hälfte.

Im Offensivspiel haben wir dazu einen überragenden Max Meyer gesehen. Einfach toll, in dem Jungen am Ball zuzusehen. Er war überall auf dem Feld, tauschte oft mit Draxler die Seite, war auch zentral sehr aktiv und sicherlich unser bester Mann auf dem Platz. Zudem darf man Boateng ein Kompliment machen: erst sah es über weite Strecken wieder so aus, als sei er nicht ganz bei Kräften. Und dann macht er mit zwei Toren den Weg frei für den Sieg.

Dann bleibt da noch der ewige Zankapfel Timo Hildebrand. Mich ärgern seine dauernden Fehler und Unsicherheiten auch sehr, aber was mich noch mehr ärgert ist die Häme, die ihm inzwischen aus den eigenen Reihen entgegenschlägt. Das ist unloyal und vereinsschädigend. Leute, wir müssen da jetzt durch, denn wir haben einfach keinen besseren Torhüter im Kader. Dem Hohn sollten wir anderen überlassen, gerne auch den Fans aus London, die nicht mal singen können, wenn sie gewinnen.

Jetzt sind wir beim Thema Moral: es ist beachtlich, dass es unsere Mannschaft schafft, nach einem null zu eins zur Pause noch im Spiel zu bleiben und das Ding am Ende zu drehen. Und dieses Ergebnis beruht ganz sicher nicht auf Zufall, sondern auf einer Beharrlichkeit in der Mannschaft und einem Team- und Kampfgeist. Sie hat es eben geschafft, die Acht, neunte und die zehnte Torchance am Ende zu Toren umzuwandeln. Und dann sind wir am Ende auch wieder bei einer akzeptablen Chancenverwertung.

Großen Spaß hat es da auch wieder gemacht, zu sehen, mit welchem Eifer und welcher power Jefferson Farfan ab der 70. Minute auf dem Platz gewirbelt hat. Nach der Länderspielpause wird er wieder voll hergestellt sein und unser Spiel deutlich schwerer ausrechenbar für den Gegner zu machen. Keine Frage: um sich mit Bayern, Borussia Dortmund oder dem FC Chelsea zu messen fehlt noch ein ganzes großes Stück an Qualität bei uns im Kader. Aber das ist auch ehrlich gesagt nicht mein Maßstab in dieser Saison. Dafür hätten wir Papadopoulos, Huntelaar und Farfan durchgehend gebraucht.

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3 Antworten to “Wie schlecht war dieses 3:1 wirklich?”

  1. Daniel Ku 9. November 2013 um 19:24 #

    1904% Zustimmung! Dem ist nichts hinzuzufügen!

  2. Anto 9. November 2013 um 21:36 #

    Schön gesagt !

Trackbacks/Pingbacks

  1. zwischen Erwartung und Realität » blogundweiss.de - 11. November 2013

    […] Eindruck der Zufriedenheit am Samstag in der Arena, und wohl auch der von Tobias Weckenbrock von schalkeweb und Skandy vom web04 ein deutlich anderer. (Beide verlinkten Artikel zum gleichen Thema und sehr […]

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