Matchday #2: So war der Tag in Basel

1 Okt

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Es war Matchday #2 in der Champions League. Schalke siegte 1:0 (0:0) beim FC Basel. Ich war in der Stadt und im Stadion – so habe ich die Stadt, die kleineren Ausschreitungen und das Spiel erlebt.

Feierabend und Sendeschluss aus Basel. Glück auf!

Nach Mitternacht: Was will man sagen? Zwei Spiele, sechs Punkte – perfekter Start. Es gibt eigentlich nix zu meckern. Eigentlich. Wenn man hinter die Fassade schaut, dann sieht man schon einige Defizite. Am meisten hat mich geärgert, dass wir es uns selbst so schwer machen: Wir geben den Ballbesitz viel zu oft viel zu leichtfertig ab, das ist mir vor allem nach dem Führungstor aufgefallen. Immer wieder Befreiungsschläge oder ungenaue Eröffnungspässe. Das führt dazu, dass der Gegner immer wieder aufbauen und anrennen kann. Das kostet unnötig viel Kraft und ist ein Risiko. Den Ball mal länger zu halten, das müssten die Jungs doch eigentlich draufhaben. Naja. Wir hatten die deutlich dickeren Chancen und haben hinten ganz gut sortiert gestanden – das war am Ende ausschlaggebend.

Apropos Kosten: Die Bengalo-Aktion vor dem Spiel wird bestimmt teuer für den Klub; unseren geliebten Klub. Ist euch Urhebern das eigentlich egal?

Zum Thema Randale: Was ich beobachtet und gehört habe (nicht alles muss genau stimmen) ist, dass eine Gruppe von Schalkern, die als solche kaum zu erkennen waren, dem von der Polizei dezent begleiteten und angeführten Fanmarsch wohl etwas voraus marschierten – und das wohl ohne Begleitung. Bei der Ankunft am Stadion hinter der Gästekurve sind sie offenbar von Basler Hooligans (ebenfalls eher ein schwarzer Block als offenkundige Anhänger des Clubs) empfangen und angegriffen worden. Die Polizei hat recht schnell eingegriffen. Schmerzhaft waren dabei vor allem ihre Gummigeschosse aus den Gewehren, die sie mehrfach verschossen haben. Kanone statt Knüppel, auch schön. Dann waren die Gruppen getrennt, die Schalker Vorhut wurde in die Fanmarsch-Reihen aufgenommen – das war’s. Es gab weder hüben noch drüben größere Verletzungen, Polizisten blieben wohl auch unbeschadet. Das sind nervige, blöde Bilder – aber Leute, die nicht wollten, wurden meines Wissens nicht reingezogen in die Randale. Und Sachschäden gab es auch nicht. Man konnte sich sehr leicht fernhalten, wenn man wollte.

Nach dem Spiel blieb es immerhin ruhig.

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Dann war da noch die etwa fünfminütige Greenpeace-Aktion gegen Gazprom. Nach vier Spielminuten seilten sich vier Aktivisten vom Stadiondach ab und entrollten ein gelbes Banner mit der Aufschrift: Gazprom don’t foul the Arctic. Hintergründe dazu hier. Die Gästefans, die das Banner aus der Kurve nicht(!) sehen konnten, störten sich vor allem an der Unterbrechung ihres geliebten Spiels und an der Plakatfarbe – und sangen ein kräftiges „Die Gelbe Wand ist wieder da“ mit herzlichen Grüßen nach Dortmund.

15.45 Uhr, Hostel: Eingecheckt, Dreibettzimmer mit Pumi und Marcel aus Ennigerloh im Kreis WAF. Die sind mit dem Auto hier, sechseinhalb Fahrt inklusive vier Pausen. Sie bestätigen die verschärften Anreisebedingungen. Auf jedem Parkplatz an der Autobahn Kilometer vor der Grenze Busse, die von der Polizei kontrolliert wurden. „Die standen mit Ferngläsern auf den Brücken und haben alles, was nach Schalkefan aussah, rausgewinkt“, sagt Pumi. Scheint also zu stimmen. Vielleicht ist es deshalb in Basel auch jetzt noch relativ ruhig. Wir gehen jetzt mal gucken, was am Münsterplatz los ist…

14.32 Uhr: Ein Bier und fünf Bekanntschaften (Recklinghausen, München) weiter kann ich das Mysterium lösen: Es war die U19, und die spielt heute das Vorspiel in der neuen Youth League gegen den – Überraschung – FC Basel. Anstoß 15 Uhr. Guck ich mir aber nicht an, sondern suche mal mein Hostel auf: Check-in-Zeit.

12.42 Uhr, Barfüsserplatz: Drei Polizisten in zivil, mit Funk hinterm Ohr verkabelt, laufen hier Patrouille. Sollen laut Insider gute Leute sein, die auch mit Fans reden und nicht eskalierend, sondern kommunikativ und deeskalierend auftreten. Dass einer von ihnen, kräftige Statur, einen kahlgeschorenen Kopf hat, sei kein Anzeichen für einen Hang zu Gewalt. Man hört hier auch, dass Schalke-Busse auf dem Weg in die Schweiz ordentlich gefilzt worden seien, zum Teil eine 90-minütige Pause einlegen mussten. Das sind aber Gerüchte, die ich nicht veri- oder falsifizieren kann. Deckt sich aber mit Informationen von Sky, siehe @sky_dirk bei Twitter.

12.17 Uhr, Steinenvorstadt: Pub Mr. Pickwick in der Innenstadt. Hier werden heute explizit die Gästefans Willkommen geheißen. Normalerweise stehen vor dem Laden auch eine ganze menge Stühle und Tische. Heute nicht. Hintergrund: Die Polizei fürchtet wohl Randale, angeblich. Gestern im Fernsehen soll es geheißen haben, dass Wirte heute die Außenbestuhlung eher nicht aufstellen sollten. Viele haben sich an den Tipp nicht gehalten; Kundschaft und Geschäft geht vor.

11.38 Uhr: Hier laufen inzwischen ein paar Blaue rum. Also blau im Sinne von Kleidungsfarbe. Wir sitzen jetzt dort, wo der FCB jedes(!) Jahr einmal die Meisterschaft feiert. Auf dem Balkon da drüben im Stadt Casino lässt sich die Mannschaft von den Balsern feiern.20131001-114041.jpg

10.36 Uhr, Marktplatz: Mir sind gerade auf dem Weg in die Altstadt ungefähr 20 Jungs im blau-weißen Trainingsanzug mit Schalkeemblemen entgegen gekommen. Ich kenne mich zu wenig gut in unserer Jugendabteilung aus, aber das scheinen mir sowas wie die U19-Junioren gewesen zu sein. Sahen alle in etwa so aus wie Max Meyer; und irgendwie schien mir, dass ich Roman Neustädter erkannt hätte. Komisch, kann eigentlich nicht. Trainer, Betreuer oder andere Begleiter waren übrigens nicht dabei.
Mysteriös! 20131001-102801.jpg

10.14 Uhr: Es ist bei internationalen Auswärtsspielen üblich, dass es in der Stadt des Gastgebers drei, vier Stunden vor dem Spiel einen Fantreff gibt, meist einberufen von UGE, oder besser der Gruppe „Vorwärts Nordkurve“ (also darf ich auch teilnehmen, hurra!). Man verabredet sich meist am bekanntesten Platz der Stadt, um sich dort einzusingen und dann gemeinsam (und lautstark) zum Stadion zu ziehen. Heute ist das um 17 Uhr am Münsterplatz geplant. Ich war gerade schon mal da und habe die Idylle dort am Morgen davor eingefangen. Hübsch dort am sanft plätschernden Tinguely-Brunnen unter den herbstlichen Pappeln. Heute Nachmittag wird’s was lauter… (Übrigens haben diese Treffen nichts mit Verabredungen zur Gewaltausübung zu tun. Ich hoffe, dass das auch heute genauso aussehen wird.) 20131001-102532.jpg

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9.13 Uhr, Basel Hauptbahnhof: Gerade den Bus verlassen, der uns zum Bahnhof gebracht hat. Ein grauer Tag, dichte Wolkendecke, etwa 12 Grad. Es soll an die 19, 20 Grad werden heute in Basel. Die erste Gratiszeitung „Blick am Abend“ schon „gelesen“: steht nix drin. Nur ein bisschen was über einen „Ösi-Referee“, der das Spiel Young Boys Bern gegen FC Zürich vollkommen verpfiffen haben soll, Zitate aus Ibrahimovic‘ bösen Worten über Guardiola und den italienischen Flitzer beim Berlin-Marathon, den man schon von Hannover – Augsburg (8. Minute) kennen konnte. Champions League? In Basel? Heute?! Man weiß es nicht.20131001-092522.jpg

4.24 Uhr, Dortmund: Erst die U-Bahn zum Bahnhof, dann der RegionalExpress nach Düsseldorf (wo ich beinahe den Ausstieg am Flughafen verschlafen hätte), dann der Lufthansa-Flug nach Basel. Im kleinen Flieger außer mir etwa 70 offensichtlich Geschäftsreisende und drei Schalker. Es ist ja auch noch früh… guten Morgen erst mal.

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