Gegnerblick: Wer ist der FC Basel?

30 Sep

basel-schalke

Der FC Basel 1893 – zweiter Gegner in der Champions-League-Gruppenphase 2013/14. Das Team ist der Krösus in der Schweiz: höchster Zuschauerschnitt, größter nationaler und internationaler Erfolg in den vergangenen Jahren, größtes Stadion, eine der größten aktiven Fanszenen. Und am ersten Spieltag der Champions-League-Saison gelang dem Team die größte Überraschung des Wettbewerbs. Müssen wir uns fürchten?

Die derzeitige Lage beim FCB: Dauermeister, Zuschauerkrösus – der FCB ist in der Schweiz die klare Nummer 1, das fußballerische Aushängeschild. Diese Saison hat national auch weitgehend wieder so begonnen, wie man das in Basel gewohnt ist – zumindest, wenn man auf die Tabelle schaut: Da hat der Krösus die Nase vorn, aber auch zwei Spiele mehr bestritten als Grashoppers Zürich – die nur einen Zähler weniger aufweisen. Zehn Spiele, fünf Siege, eine Niederlage, das ist aber auch nicht eben überragend. Basel kam auch am Samstag gegen den FC Sion nicht so richtig in Schwung, lag erst mit 0:1 hinten, ging dann 2:1 in Führung (ein wunderschönes Tor von Stocker war auch dabei) und spielte am Ende doch nur 2:2. Damit endete eine Serie von fünf Siegen.

Internationaler Vergleich: Der Verein liegt in der UEFA-Koeffizienten-Rangliste aktuell auf Rang 20. 2011 erreichte der FCB das Achtelfinale der Champions League, in der abgelaufenen Spielzeit ging es in der Europa League bis ins Halbfinale, nachdem Cluj die Baseler in der CL-Quali ins Aus manövriert hatte. Der FC Chelsea setzte den Baselern im Semifinale dann das nächste Stoppschild auf den Rasen: erst 1:2 im Baseler „Joggeli“, wie der Schweizer den St. Jakob-Park nennt, dann 1:3 an der Stamford Bridge. Da hat der FCB also für diese Saison noch Anlass zur Revanche – und die nahm er gleich im ersten Gruppenspiel der neuen Saison beim FC Chelsea selbst: Basel gewann total überraschend nach Rückstand mit 2:1. Mohamed Salah und Marco Streller trafen.

Die Mannschaft: Der FC Basel hat ein international besetztes Team. 12 Nicht-Schweizer im 27er-Kader. Vier Spieler des FC Basel laufen für die Schweizer Nationalmannschaft auf: Fabian Frei, Valentin Stocker (an dem Schalke selbst in der Sommerpause höchstinteressiert war), der Neu-Internationale Fabian Schär (21/Verteidiger/drei Länderspiele, drei Tore!, war zuletzt bei Gladbach im Gespräch) und (Ersatz-)Torwart Yann Sommer. Dazu kommen sieben weitere Nationalspieler aus sechs verschiedenen Ländern.  Der bekannteste von ihnen sie vielleicht Mohamed Salah, der mit seinen 21 Jahren schon 24 Mal für Ägytpen auflief und 17 Länderspiel-Tore erzielte. Erfahrener ist der Bulgare Ivan Ivanov (25), der 35 Mal für die bulgarische Nationalmannschaft auflief. Die Rückennummer 9 trägt der etwas in die Jahre gekommene Marco Streller, er spielte 37 Mal für die Schweiz. Stocker (24) war in 20 Länderspielen dreimal für die Schweiz mit eigenen Toren erfolgreich. transfermarkt.de taxiert den Kaderwert auf knapp 50 Millionen Euro. Zum Kader zählen auch Zwillinge: Philipp Degen, Rechtsverteidiger und einst für den BVB aktiv, besetzt mit Bruder Fabian (30) oft die rechte Seite beim FCB.  Neu seit diesem Wochenende ist, dass der vielgelobte Schär gegen Schalke möglicherweise ausfällt. Der Innenverteidiger verletzte sich gegen Sion ohne Einwirkung eines Gegenspielers, er musste direkt ins Krankenhaus. Erst sah es so aus, dass er ausfallen würde – inzwischen gab es Entwarnung: keine Bänderverletzung, mit den Sehen ist auch alles gut – er hat eine Weichteilquetschung. Das tut zwar weg, könnte aber mit Schmerzmitteln gelindert werden. Kaum ein Spieler, schreibt das Internetportal bazonline.ch, sei so schwer zu ersetzen wie er – defensiv stark, offensiv auch mit Impulsen.

Der Club an sich: Was war denn 2009 mit dem FC Basel los? Das war das Jahr, in dem der Verein nicht Schweizer Meister wurde. Ansonsten ist die Bilanz beeindruckend: 2008, 2010, 2011, 2012. 2013 Titelträger. Einmal spielte Basel bisher gegen Schalke, im Oktober 2004 war das in der Gruppenphase der Europa League. Das Duell endete 1:1. 52.000 Menschen sahen in der Veltins-Arena Tore von Kobiahsvili (8.) und Delgado (81.). Wer erinnert sich nicht? Der mit Abstand stärkste Verein in der drittgrößten Stadt des Landes – mehr muss man zum FC Basel eigentlich schon fast nicht sagen.

Die Fanszene: Der FC Basel ist also der große Klub in der Schweiz. Er hat Anhänger in allen Kantonen, aber auch viele Feinde – so ist das eben, wenn man Erfolg hat. Der Verein hat eine sehr aktive Fanszene, schon 2004 sollen rund 4000 Fans der Ultraszene zuzuordnen gewesen sein, die sich weitgehend im Unterrang der Muttenzer Kurve breit gemacht hat. Es gab damals aber auch noch ein paar Ultras auf der gegenüberliegenden Seite, die „Joggeli West“, wie das heute ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Hintergrund der Trennung damals soll kein Streit gewesen sein, sondern die Tatsache, dass in der Muttenzer keine Dauerkarten mehr zu haben waren. Insgesamt sind die Baseler für eine hohe Choreo-Frequenz bekannt und für den Einsatz von Pyrotechnik berüchtigt. Und dann ist da noch eine Hooligan-Vergangenheit – Stichwort: die Basel-Bande: Sie galt als hart und durchschlagend, sie nannten sich selbst Ultras. Sie verteidigten ihr Revier vor allem Anfang der 90er-Jahre. Wenn man sich heute im Netz umsieht, findet man die letzten bösen Szenen bei einem Spiel gegen Biel im Jahr 2011; die ging aber von den Bieler „Fans“ aus. 3sat hat dieses Jahr eine Doku vom Sender SF ausgestrahlt, in der eine Gruppe von vier Leuten, offensichtlich Anführer einer Ultragruppierung von einst, porträtiert. Der Filmemacher traf die vier Protagonisten erstmals 1993, als sie alle vielleicht Anfang 20 waren. 2013 begegnete er ihnen wieder. Sie sind weitgehend nicht mehr „aktiv“, zum Teil vernünftig geworden. Der Film „Narben der Gewalt“ bleibt dabei aber eng an den Hintergründen der Gewalt der vier Personen und bleibt eher vage, was den Fußball und die Leidenschaft für den FC Basel und dessen Fußball angeht. Es geht um die Missstände in ihrer Kindheit, weniger um Fußball-Fanatismus.

Rund 28.000 Zuschauer kamen 2012 im Durchschnitt zu den Heimspielen des FCB – damit ist Basel der einzige Club jenseits der 20.000 in der Schweiz. Welche Lieder man im „Joggeli“ und auswärts singt? Ich verstehe leider die Songtexte nicht, aber hier ist ein interessanter Artikel zur Entwicklung der Fangesänge. Man erkennt ein paar Parallelen zu uns: Die Ultra-Bewegung hat für mehr eigenes Liedgut gesorgt, für mehr Kreativität, aber zugleich auch für weniger Wucht. Die Tribüne auf dem Bahndamm, die früher berüchtigt war für laute spontane Choräle, ist heute angeblich weitgehend verstummt.

Der Weg zum Duell mit Schalke:  Basel musste trotz Gewinns der Meisterschaft zwei Runden überstehen, um in die Gruppenphase zu gelangen: Erst gegen Maccabi Tel Aviv, das man mit 1:0 im eigenen Stadion besiegt. Das 3:3 im Rückspiel genügte dann zum Weiterkommen. Danach, im Play-Off, ging es gegen den bulgarischen Vertreter PFC Ludogorets Razgrad. 4:2 im Hinspiel auswärts, 2:0 im Rückspiel vor rund 15.000 Leuten im „Joggeli“ – das war eine klare Kiste. Und dann folgte der Auswärts-Coup in London, der das Team nun offen gestanden sehr stark erscheinen lässt.

Das Stadion: Wer die CL-Heimspiele des FC Basel im St. Jakob-Park sehen will, der muss ein Bündel kaufen: drei Tickets im Paket. Für die meisten Sektoren ist das im Stadion, das Platz für 38.512 Zuschauer hat, längst nicht mehr möglich. Wer Mitte September noch ein Ticket kaufen wollte, musste auf die Gegengerade, wie man auf Schalke sagen würde, und dafür für die drei Spiele 320 bis 375 Schweizer Franken hinlegen – das sind schlappe 260 bis 305 Euro. Bämm! Aber Basel setzt noch einen drauf: Inzwischen gibt es Einzelkarten für die drei CL-Heimspiele. Aktueller Preis rund im den Gästeblock für das Spiel gegen Schalke 04: 175 Franken – das sind zurzeit fast 143 Euro. Wer dachte, das Leben in Deutschland sei teuer, der war noch nicht in der Schweiz.

Eine Dauerkarte für die 1. Schweizer Liga in der Muttenzerkurve kostet 275 Franken – also mal so um die 222 Euro. Das ist also günstig bei 18 zugrunde liegenden Heimspielen. In den beiden Quali-Heimspielen zur CL-Gruppenphase kamen im Durchschnitt 14.000 Leute ins „Joggeli“. Es ging gegen Tel Aviv und Razgrad. Gegen Schalke wird’s was voller… 2001 gebaut, 2008 auf EM-Tauglichkeit erweitert und Ort des Eröffnungsspiels, heute das größte Stadion in der Schweiz. Und die Bratwurst kostet 4,50 Euro… Der Ausbau zur Euro 2008 umfasste die Errichtung eines dritten Ranges. Dadurch wurde das schon sehr eng gebaute Stadion noch „kesseliger“. Die Seiten-Tribünen ragen sehr steil auf, die Hintertor-Tribünen etwas flacher konstruiert.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: