Gegnerblick: Wer ist Steaua Bukarest?

15 Sep

Steaua BukarestUnser erster Gegner in der Champions-League-Gruppenphase 2013/14 ist Steaua Bukarest, der rumänische Meister und Rekordmeister. Das Heimspiel am Mittwochabend hat schon eine Überraschung parat: Es sind geschätzte 8000 Karten für die Arena noch nicht verkauft. Unsere Arena hat bei Champions-League-Spielen zurzeit ein Fassungsvermögen von 54.442 Zuschauern. Es könnte gut sein, dass weniger als 50.000 Leute als offizielle Zuschauerzahl gemeldet werden. Das ist höchstselten. Ist der Gegner so unattraktiv? Schauen wir uns das mal näher an…

Die derzeitige Lage bei Steaua: Fünf Spiele hat der Fotbal Club Steaua București in der bisherigen Saison der 1. rumänischen Liga bestritten, vier davon gewonnen, einmal Unentschieden gespielt. 14:4 Tore, das kann sich schon mal sehen lassen. Man muss allerdings sagen, dass die Liga nicht gerade vor großen Namen strotzt: Tabellenführer ist der FC Botosani, auf Platz drei folgt Pandurii, dann Astra und Petrolul. Was, nie gehört? Tja, ich auch ehrlicherweise auch nicht. Klangvoll ist anders.

Internationaler Vergleich: Der Verein liegt in der UEFA-Koeffizienten-Rangliste aktuell auf Rang 54. Auf Rang 75 folgt der zweite rumänische Vertreter – CFR Cluj, das hat man schon mal gehört. Einen Rang vor Steaua steht der SV Werder Bremen, davor AS Rom. Und auf Rang 49 Hannover 96. Aber: Hinter Steaua findet man Celtic Glasgow (58.), Besiktas Istanbul (62.) oder der Hamburger SV (63.). Heißt: kann man schlagen. Schaut man sich die Zahlen genauer an, sieht man: Rund sechs UEFA-Punkte sind in den letzten fünf Jahren der Standard für Steaua gewesen, Ausreißer ist die Saison 2012/13 mit 13,3 Punkten. Da spielte Bukarest in der Europa League eine tolle Saison: Gruppensieger gegen den VfB Stuttgart, den FC Kopenhagen und Molde FK, dann siegreich in der K.o.-Runde gegen Ajax Amsterdam. Im Achtelfinale kam dann das Aus gegen den späteren Cupsieger FC Chelsea.

Die Mannschaft: Geführt wird Steaua von einem Mäzen namens Becali. Der ist umstritten, regiert aber mit recht harter Hand und viel Geld. Er soll wohl für rumänische Verhältnisse sehr hohe Gehälter zahlen. Er ist einer der reichsten Rumänen und hat Anfang 2012, als es zeitweise drunter und drüber ging im Verein, die Devise ausgegeben, mit heimischen Spielern erfolgreich sein zu wollen. Das sieht man beim Betrachten der aktuellen Mannschaft: Im 29er-Kader stehen 22 Rumänen und nur 7 Ausländer. Der Spieler mit dem höchsten Marktwert ist Alexandru Chipciu – der ist allerdings nach einem Schienbeinbruch nicht einsatzbereit. Der Gesamtmarktwert beläuft sich auf 41,5 Millionen Euro. Den Trainer kennt man in Deutschland: Laurentiu Reghekampf hat seit Mai 2012 das Sagen – er spielte früher rund acht Jahre in Deutschland: für Energie Cottbus, für Alemannia Aachen und den 1. FC Kaiserslautern. Die Spieler hingegen nicht: Sechs kicken zwar in der rumänischen Nationalmannschaft, das sind mehr als aus jedem anderen Verein. Aber seien wir mal ehrlich: Wer kennt Tătărușanu, Latovlevici, Pintilii, Popa, Bourceanu oder Tanase? (Sorry, das soll nicht überheblich klingen!) 

Der Club an sich: Ansonsten ist der Club rumänischer Rekordmeister (24 Titel) und amtierender Meister. Allerdings war die Meisterschaft 2013 die erste seit sieben Jahren. 1947 wurde Steaua als Club der Militärs gegründet. Steaua heißt Stern: Der gelbe Stern auf dem rot-blauen Wappen findet sich im Vereinsnamen wieder. In den 90ern (sechs Titel in Serie) und den 80ern (fünf in Serie) war die Dominanz des Vereins in Rumänien erdrückend. Zuletzt kaufte das kleine Cluj dem Team aber ein bisschen den Schneid ab: Cluj wurde Meister 2008, 2010 und 2012 und war in Europa zuletzt erfolgreicher. Woran sich womöglich nicht jeder erinnert: Steaua hat sogar schon einmal europäische Titel gewonnen. Das Team gewann 1986 den Europapokal der Landesmeister (2:0 n.E. gegen FC Barcelona) und anschließend auch den UEFA-Supercup. 1988 ging es dann noch mal ins Halbfinale, 1989 erneut ins Endspiel (0:4 gegen AC Mailand).

Der Weg zum Duell mit Schalke: Dieser europäische Glanz ist allerdings längst verblasst. 2008/2009 war Steaua letztmals Teilnehmer der Champions League – damals war ebenso wie in den beiden Vorjahren nach erfolgreichen Qualifikations-Play-Offs Schluss nach der Vorrunde. Und diesmal? Steaua musste als Meister drei Play-Off-Runden überstehen: Erst gegen Vardar Skopje (das ist der mazedonische Club, zu dem einige Schalker Ultras eine Fanfreundschaft pflegen) gab es zwei Siege (3:0 / 2:1). Dann gewann Bukarest beim weißrussischen Champion Dinamo Tiflis mit 2:0, ein 1:1 im Rückspiel reichte zur Quali fürs entscheidende Duell mit Legia Warschau. Dem 1:1 im Hinspiel vor 50.000 Fans daheim, das Steaua optisch sehr überlegen bestritt, 1:0 führte und am Ende ein 1:1 hinnehmen musste, folgte ein 2:2 auswärts und das knappestmöglich Weiterkommen wegen mehr erzielte Auswärtstore. Das war unterm Strich aber verdient, denn auch in Warschau hatte Bukarest deutlich mehr vom Spiel, führte schon nach zehn Minuten mit 2:0 und kassierte den Ausgleich erst in der 94. Minute.  Ach ja: Das Ligaspiel am Wochenende gegen Navodari endete mit 5:0 für Bukarest.

Das Stadion: In der National Arena finden knapp 56.000 Zuschauer Platz (360-Grad-Panorama). Es ist ein noch sehr junges Stadion: 2008 begann der Bau, 2011 wurde es fertig. Es erinnert von der Bauweise des Daches sehr an die Frankfurter Commerzbank-Arena und war Spielort des Europa-League-Finals 2012 zwischen Atletico Madrid und Athletic Bilbao. Es ist von einer deutschen Baufirma errichtet worden und erinnert auch an die Düsseldorfer Esprit-Arena: dann, wenn man sich im leeren Innenraum umsieht. Die Sitzschalen sind nämlich bunt – das soll auch bei einem halbvollen Stadion etwas mehr Füllung suggerieren. Das ist auch durchaus, ähem, nötig: Am Wochenende beim 5:0-Sieg verloren sich 8000 Zuschauer im Stadion, beim letzten Liga-Heimspiel davor gegen den vermeintlich größten sportlichen Rivalen Cluj waren es etwas mehr als 13.000 Fans. Liegt das an den Preisen? Steaua verkauft die CL-Tickets im Bündel für umgerechnet 47 Euro für alle drei Spiele (Hintertor-Oberrang) bis knapp 200 Euro, VIP-Pakete für drei Spiele gehen los bei 250 Euro. Für rumänische Verhältnisse ist das zweifellos alles sehr teuer.

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