Clash um Götze, Neuer & Co.: Zwei Perspektiven auf das Eine

24 Apr

Der akute Anlass dieses Blogposts trägt (Achtung!) Schwarzgelb, der Hintergrund ist tief Blauweiß, aber auch Rotweiß, Blaugelb, Grünweiß oder Braunweiß: Mit Mario Götze hat es der Inbegriff Dortmunder Fußballstolzes gewagt, den Verein zu verlassen. Die Fans zetern, wie das Gros der blauweißen Fanschar es bei Manuel Neuer tat. Und es wird auch uns irgendwann wieder treffen – weil hier zwei Welten unvereinbar aufeinandertreffen…


Julian Draxler, Benedikt Höwedes oder Sead Kolasinac sind die nächsten, die bei uns dafür infrage kommen, vom geliebten Eigengewächs und Ur-Schalker zum verhassten Judas zu werden. Das Phänomen ist einfach: Da sind junge Leute mit so viel Fußballtalent gesegnet, dass sie aus ihrem Hobby einen sehr gut bezahlten Beruf machen, in dem sie auch noch vergöttert und angehimmelt, gemocht und bejubelt sind. Sie stehen aber auch extrem unter Beobachtung und werden Woche für Woche von Medienmenschen beäugt und ausgefragt. Sie sind oft noch sehr jung, wenn sie automatisch in ein Dilemma tappen – dann nämlich, wenn es unausweichlich zu dieser Situation kommt:

Sie werden von Journalisten gefragt, ob sie sich vorstellen könnten, mal bei einem anderen, vielleicht noch erfolgreicheren Verein Deutschlands (da gibt es aus unserer heutigen Sicht eigentlich nur einen bis zwei) oder Europas zu wechseln. Dann haben sie grob zwei Optionen: Entweder sie antworten, dass es ihr Traum ist, Titel zu gewinnen und dass sie sich schon vorstellen könnten, einmal woanders zu spielen – dass sie jetzt aber auf Schalke glücklich sind, mit der Mannschaft Erfolg haben wollen. Bla. Oder sie antworten: Nö, mein ganzes Herz gehört Schalke 04.

Letzteres wird die Fans zu Jubelstürmen tragen. Sie haben ihren Helden, der jung, unbedarft, am Anfang einer unabsehbaren Karriere steht. So wie einst Manuel Neuer auf Schalke oder wie Mario Götze zurzeit in Dortmund. Der hatte eben vor wenigen Monaten mal gesagt, er könne sich durchaus vorstellen, seine Karriere in Dortmund zu beenden. Das Zitat wird hervorgekramt, jetzt, wo sein Wechsel nach München feststeht. Dafür wird er angefeindet. Dafür muss Manuel Neuer bis heute, vermutlich bis an sein Karriereende, einstecken.

Die andere, die weiche Option hat kürzlich Julian Draxler gewählt. Er hat soft geantwortet, er hat dabei nicht das volle Herz über Schalke 04 ausgeschüttet, als er nach der Zukunft befragt wurde. Spanien würde ihn schon sehr reizen.

Auf der einen Seite fordern wir, die Fans, von den Profis volle Leidenschaft für unseren Club. Wir verachten Söldnertum und Wechselwahn, verabscheuen das Wappenküssen nach Toren von Spielern, die ein Jahr zuvor die Raute in Blauschwarz genauso liebevoll liebkost haben. Wenn wir Stars verpflichten, jubeln wir ihnen zu. Wenn unsere Eigengewächse woanders Erfolg haben, missgönnen wir ihnen diesen zumeist.

Dabei vergessen wir einen entscheidenden Punkt: Das, was unsere Leidenschaft ist, ist für die Profis – darum heißen sie auch so – ein Beruf. Einer, den sie ca. 15 Jahre ihrer Lebenszeit ausüben können, dem aber noch weitere 45 Lebensjahre folgen. Ein Beruf, mit dem sie ihr Geld fürs Leben verdienen. Klar, kein normaler Beruf, einer der leidenschaftlichsten und emotionalsten vielleicht, die es gibt. Wer steht schon wild jubelnd am Fließband in der Werkstatt oder am Kopierer im Büro? Aber es ist ein Beruf, ein gut bezahlter – und kein Hobby. Da geht es eben in erster Linie ums Geldverdienen und ums Ausleben von Talent und Schaffenskraft. Wer so gut ist, dass er von den besten und bestbezahlenden Arbeitgebern der Welt umworben wird, dem kann ich nicht übel nehmen, dass er ein Millionenangebot annimmt.

Profis gehen beim BVB, bei Schalke 04 oder Mainz 05 einem Beruf nach. Wir Fans frönen unserer Leidenschaft, unserer Liebe. Zwei Welten – oder: zwei Perspektiven auf die eine schöne Sache. Ich kann Manuel Neuer und Mario Götze verstehen.

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3 Antworten to “Clash um Götze, Neuer & Co.: Zwei Perspektiven auf das Eine”

  1. TobiTatze 24. April 2013 um 16:24 #

    Du hast Joel Matip vergessen! Den würde ich auf Bayerns Wunschliste weiter oben sehen als alle anderen genannten.
    Ansonsten kann ich dir nur zustimmen. Das Dilemma gab es schon immer, gibt es noch und wird es auch in Zukunft geben. Allerdings passt da eine wunderbare Phrase: Auch das ist Fußball! Die Anfeindungen, die Tränen (auf beiden Seiten) und die Versöhnung, wenn der verlorene Sohn seine letzten Profijahre doch wieder im 16er seines Heimatklubs verbringt.
    Olaf Thon, ick hör dir trapsen!

    • weckenbrock 24. April 2013 um 16:25 #

      #Matip: Das stimmt. Und mit Max Meyer steht dann auch schon wieder ein Talent in der Warteschleife…

Trackbacks/Pingbacks

  1. Lewandowski putzt Real Madrid im Alleingang | Fokus Fussball - 25. April 2013

    […] Beim Schlenzer versucht man noch einmal alle Seiten des Götze-Transfers zu beleuchten. Das Schalkeweb vergleicht den Götze-Fall mit dem Transfer Manuel Neuers nach München. Profis gehen beim BVB, […]

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