Es ist die Euphorie, die uns immer wieder schadet

13 Mrz

Viel blau-weiß, viel gelb-orange: Schalke 04 – Galatasaray Istanbul

Vor allem anderen: Herzlichen Glückwunsch an Galatasaray Istanbul für den Einzug ins Viertelfinale der Champions League. Die Türken haben uns nach 180 hochinteressanten, zeitweise rassigen Minuten aus dem Wettbewerb geschossen – müssen jetzt allerdings davon ausgehen, dass die Saison in Europa in der nächsten Runde endet. Für Schalke dagegen, das in drei Halbzeiten von vier bessere Team, ist jetzt schon Endstation. Das ist sehr traurig – aber es ist wahr. Ich habe es vorher geahnt – warum? Der Grund ist Euphorie am falschen Ort. 

Ja, Leute, ich weiß, ein Doppel-Derby-Sieg ist ein riesiger Erfolg und auch für mich eine große Freude und Genugtuung. Aber was in den beiden Tagen nach dem 2:1 gegen den BVB abgegangen ist, war mir wieder eine Spur zu viel – und auf Euphorie folgt bei Schalke eben immer eines: Ernüchterung, so gut wie nie Erfolg.

Wie kann Euphorie schaden – und wo ist der Beweis, dass Euphorie der Auslöser für diese 2:3-Niederlage gegen Istanbul ist? Das mag man fragen, und ich kann diese Frage natürlich auch nicht wiederlegen. Aber ich weiß aus leidiger Erfahrung, dass Euphorie nie ein guter Begleiter war. Immer wenn es hieß: „Jetzt läuft’s!“ Und wie gestern und vorgestern: „Jetzt hauen wir auch die Türken weg!“, dann folgte der Schlag auf die Rübe. Und dann tut so ein Schlag doppelt weh. Aber ja doch, wir sind Schalker, und wir müssen eben leiden…

Die Enttäuschung vor knapp drei Stunden war bei mir sehr groß. Das liegt vor allem daran, dass unser Team die bessere Mannschaft war. In drei von vier Halbzeiten waren wir Galatasaray überlegen. Wir haben mehr Zug, mehr Dampf, mit unserer wiedergefundenen Aggressivität und Agilität auf den Rasen gebracht. Schalke hatte das Format, daraus eine Überlegenheit zu machen, die auch in großen Torchancen für unser Team gipfelte. Aber wir haben gestern im Heimspiel einfach die erste Hälfte gründlich verdaddelt – und da unser Weiterkommen verschenkt.

Woran haperte es vor der Pause? Ich hatte das Gefühl, die Euphorie wirkt wie ein Hemmschuh. Schon in den ersten Minuten merkte man, dass das Team die Leistung vom Derby nicht wieder abrufen konnte. Es fehlte die Zweikampfsicherheit, der schnelle Zug zum Tor, die Genauigkeit im Abspiel. Es fehlte die Dominanz einzelner Spieler, vor allem die offensive von Julian Draxler. Es fehlte ein bisschen die Unterstützung vom Schiedsrichter, der manch kleinere Szene aus meiner Sicht eher gegen uns und deutlich weniger kleine Fouls gegen die Gäste auslegte. Und es fehlte das Glück: Wir gehen zwar mit 1:0 in Führung (wobei der Höwedes-Zweikampf im Strafraum von der Tribüne aus für mich wie ein Stürmerfoul aussah), passenderweise nach einem ruhenden Ball, aber wir gewinnen auch danach keine Sicherheit. Und dann kommt da ein typischer Hamit Altintop: Klasse Schusshaltung, unglaubliche Flugbahn des Balles – unhaltbarer Kracher. Ein echter Hamit halt (auch im Hinspiel hatte es schon so einen gegeben, damals klatschte er an die Querlatte). Und dann kommt da eine der Unachtsamkeiten daher, ohne die keines unserer Spiele auskommt: Höwedes fehlt ein Stück Dampf im Zweikampf, Hildebrand kommt raus, muss aber entweder raus und ran an den Ball oder drinbleiben – und schwupps, ist das Ding drin. 1:2.

Dann Pause – und Schalke kommt zurück. Das ringt mir Respekt ab: Plötzlich ist Dynamik drin, plötzlich ist Power da. Die Mannschaft kämpft sich wieder rein, alle legen mindestens eine Note drauf auf ihre Leistung. Und es gelingt uns, Istanbul einzuschnüren. Immer wieder landet das Leder noch vor der Mittellinie wieder in unseren Reihen. Aber so richtig ein Ende, ein Ergebnis erreichen wir damit nicht. Der Abschluss fehlt oder er ist zu schwach. Bis zum Tor zum 2:2, das eigentlich noch rechtzeitig fällt. Dann rennen wir weiter – aber mehr kommt nicht heraus.

Schade.

Ein bisschen Lob spreche ich trotzdem gerne aus:

  • An Jens Keller, dem es gelungen ist, in der Halbzeitpause auf die Mannschaft so einzuwirken, dass sie sich zurückkämpft ins Spiel.
  • An Joel Matip, für mich vor allem nach der Pause wieder der beste Schalker in unseren Reihen. Eine unglaublich gute Nummer, der Schlaks – tolle Zweikampf- und Pass-Antizipation, sehr reaktionsschnell, lang- und dadurch sehr vielbeinig, effektiv und dabei kaum über Fouls agierend.
  • An Jule Draxler, dem man ein Kompliment machen muss dafür, dass er in seinen jungen Jahren es schafft, so ein Spiel nach dem Seitenwechsel wieder an sich zu reißen. Das macht einfach Spaß, ihm beim Kicken zuzusehen.

 

Was bleibt? Eine Lehre, die unsere sportliche Leitung schon predigt, die aber in weiten Fankreisen wohl nie ankommen wird: Lasst das mit der Euphorie, mit dem Glauben, dass jetzt endlich alles gut wird. Lasst uns einfach zurückhaltend sein und den Erfolg dann auskosten, wenn er da ist – und nicht schon vorher groß davon träumen und darüber schwadronieren. Es wird uns, es wird der Mannschaft helfen. Und es wird das Fest im Erfolgsfall noch größer werden lassen.

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