Vergrätzter Start in den Spieltag

2 Mrz

20130302-005900.jpgDas nenne ich mal vergrätzt: Wie es im Innern von Schalke-Trainer Jens Keller gerade zugeht, kann man am Spieltag gegen den VfL Wolfsburg gut den Ruhr Nachrichten / der Münsterschen Zeitung entnehmen. Darin gibt Jens Keller ein ausführliches Interview, das sich überhaupt nicht aufs anstehende Spiel bezieht, sondern das nur auf der Meta-Ebene des Fußballgeschäftes bleibt.

Wie fühlt sich das an? Eine von Zuschauern oder Lesern oft (sicher oft auch zurecht) verlachte Frage von Journalisten, die der Kollege Frank Leszinski in diesem Interview zwar nicht stellt, die aber über dem gesamten Gespräch wabert. Die diesmal einen Kern der Gesamtsituation auf Schalke trifft. Heraus kommt ein Gespräch, das ein starkes Bild von der Gefühlswelt unseres Trainers zeichnet: Er fühlt sich schlecht, flüchtet sich in Sarkasmus, scheint schon nach so kurzer Zeit die Nase voll zu haben von der Bundesliagawelt.

Ich finde das etwas beschämend – für den Verein und sein Umfeld, noch mehr für die Haudrauf-Presse. Aus diesem Gesamtgeflecht konnte in der Tat nie eine Chance für den Trainerlehrling erwachsen. Mir kommt die Situation dabei vor wie eine Klimax der Geschehnisse rund um unseren Ex-Coach Mirko Slomka, der oft als ewiger MirCo belächelt wurde, und unseren spöttisch als Manager-Azubi bezeichneten Ex-Manager Andreas Müller.

Schalke 04 ist ein Haifischbecken; eine kleine Welt für sich, in der Fairness ein der Leidenschaft untergeordneter Wert ist. Und in der die auch von mir gelebte und geliebte Leidenschaft sich eben nicht nur im positiven, sondern auch im negativen auswirkt. Das Auspfeifen oder gar Verspotten eigener Spieler, das fiese Belächeln eigener Trainer – das hemmt den Verein und seine Erfolgschancen. Darüber müssen sich vor allem die Fans endlich einmal klar werden.

Aber diesen Appell, den kann man sich erfahrungsgemäß getrost sparen. Bis die nächsten Pfiffe von der Tribüne schallen.

Darum zitiere ich jetzt einfach nur noch zwei Passagen aus dem Interview und versuche, mich trotzdem auf den Spieltag zu freuen. Die Saison ist noch nicht im Eimer!


RN: Seit Ihrem Amtsantritt wird Ihre Arbeit mit sehr viel Skepsis begleitet. Welcher Vorwurf hat Sie am meisten geärgert?

Keller: War das so? Das ist mir gar nicht aufgefallen…

RN: Jetzt werden Sie ironisch.

Keller: Was mich negativ überrascht hat, war die Wucht der Kritik, als ich meine Arbeit gerade erst begonnen hatte. Dabei hatte ich als Schalker B-Jugendtrainer doch gute Arbeit vorzuweisen. 14 Siege in 14 Spielen, ich weiß nicht, ob es das in Deutschland schon mal gegeben hat. Von vornherein wurde von einigen durchgeladen und geschossen. Ich hatte die Erwartung, dass Öffentlichkeit und Medien sagen: Da ist ein Trainer, der hat unsere B-Jugend entwickelt und nach vorne gebracht. Geben wir ihm mal eine Chance im Profibereich. Aber so ist das Geschäft. (…) Trainer sind auch Menschen, das wird in manchen Medien oft vergessen. Mir fehlt der Respekt.

Mehr in Ruhr Nachrichten und Münsterscher Zeitung vom 2. März 2013.

(Kleines Disclosure: Beide Zeitungen erscheinen im Medienhaus Lensing, für das ich arbeite.)

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