Wo ist der Mannschaftsgeist?

24 Feb

Ich würde sie gerne schütteln. Ich würde sie gerne rütteln. Ihnen ins Gesicht brüllen: Wo ist euer Mannschaftsgeist? Wo ist euer unbedingter Wille? Ich kann nur vom Oberrang der Nordkurve aus rufen – und unten kommt nichts davon an. Gut, dass Schalke am Samstagabend gegen Düsseldorf auch ohne meine Aufforderung siegreich war. Und zwar trotz einiger Unzulänglichkeiten vollkommen verdient.

Es war Anfang der zweiten Halbzeit, recht direkt verknüpft mit dem Treffer der Gäste zum 1:1, als mein Glaube an den Heimsieg verloren ging. Ich war ehrlich sauer: Warum macht sich die Mannschaft das heute wieder kaputt? Das, damit meine ich ein gutes Offensivspiel über weite Teile der ersten Hälfte. Da lief der Motor nach vorne, da zeigte sich, dass Fortuna gegen uns eigentlich keine Chance hat. So wie im Hinspiel, als wir mit einem 2:0 in die Pause gingen und keiner auch nur im Traum daran gedacht hätte, dass der Sieger am Ende nicht Schalke 04 sein würde. (Das Spiel endete damals 2:2…)  Nur dass diesmal nur ein Tor die beiden Teams trennte. Schalke 04 war einfach am Ende wieder nicht durchschlagskräftig genug. Viel ging über die Außenbahnen nach vorne, mehrfach waren Spieler in Blau in aussichtsreicher Position vorne durch, und immer wieder war der Fortuna-Schlussmann oder die fehlende Zielgenauigkeit im Wege.

Und dann dieser Ausgleich, der so plötzlich kam und wieder so sehr auf unernste Verteidigungshaltung zurückzuführen war (wie man an Benni Höwedes‘ Wutreaktion nach dem Gegentor gegenüber Neustädter gut sehen konnte). Und dann wurde das ganze Spiel der haushoch überlegenen Heimmannschaft unstet und unernst. Wo war die Konsequenz im Zweikampf, wo war der Mut, das Ding schnell wieder zu drehen? Wo war die Passgenauigkeit hin, die Zielstrebigkeit? Es war wieder diese Verunsicherung der letzten Wochen da. Wo ist euer Wille? Wo euer Drang, die Gier nach Erfolg? Weg, irgendwie weg. Dass wir das Ding doch noch gewinnen, daran hatte ich nicht mehr gelaubt. Eher noch an ein 1:2 in der Schlussphase – remember Fürth…

Ich glaube, es hat etwas mit Mannschaftsgeist und persönlicher Einstellung zu tun. Irgendwo dazwischen hat sich ein kleiner Bazillus eingenistet, der über Wochen gut genährt wurde. Nun sind wir dabei, ihn zurückzudrängen. Das geht nur über die Gier nach Erfolg – und die muss wieder vollends her.

 

Zur unvollständigen Einzelbetrachtung:

Kompliment an Joel Matip. Er stand zweimal plötzlich goldrichtig, machte es beim ersten Tor ordentlich und beim zweiten richtig gut. Ballannahme, Drehung um den eigenen Körper, überlegter Abschluss über den Torwart hinweg – super!

Ich bin noch jetzt froh, dass zweimal an seiner Stelle nicht Huntelaars Klaas Jan stand. Denn der war in diesem Spiel für mich unerträglich schlecht, quasi nicht auf dem Platz – und ihm hätte ich in dieser seiner Form zugetraut, beide Hütten nicht zu machen.

Ähnlich außer Form zuletzt war Roman Neustädter. Beim Gegentor geht er nicht konsequent genug nach, ist nicht wach genug, zu sehen, dass sich der Torschütze Bellinghausen in seinem Rücken galliger Richtung Ball bewegt und dann richtig gut abschließt. Ansonsten stand er auch heute weitab von der Form, die mich zu Saisonbeginn wochenlang überrascht und begeistert hat. Hoffentlich findet er sich wieder.

Bester Mann? Da kann ich mich zwischen dreien diesmal nicht entscheiden: Farfan, Jones oder Matip. Der zweifache Torschütze allein schon wegen seiner zwei Tore, klar. Aber ansonsten waren Farfan und Jones Angelpunkte in unsere Spiel. Farfan quicklebendig – ich bin so heilfroh, dass wir ihn haben. Er ist für jeden Gegner jederzeit eine Gefahr. Er ist schnell, quirlig, nervig, kaum zu bremsen und zielstrebig bis torgefährlich, aber nicht zu ballverliebt. Eine Granate!

Jones: Spitzenmäßig, wie er auf der Sechs wirkt. Präsent, Schaltstelle in der Verknüpfung von Defensive und Verteidigung. Vor allem im Spiel gegen den Ball stark. Dazu Klasse-Kopfballvorlage zum Tor.

Höwedes: Wieviel der Benni in den letzten zehn Minuten sicher abgeräumt hat, war allein seinen Einsatz wert. Dreimal lässt er Gegenspiel ganz alt aussehen und luchst ihnen den Ball so ab, dass er selbst in Ballbesitz bleibt und überlegt weiterspielen kann. Ansonsten sicherlich ein guter Innenverteidiger. Ich will ihn nie wieder auf der Außenverteidiger-Position sehen. Dann doch lieber nach Papadopoulus‘ Rückkehr den Matip für Roman Neustädter auf die Doppelsechs vorziehen.

Kolasinac: Seine Präsenz auf dem Platz ist beeindruckend. Ähnlich wie der fast gleichaltrige Papadopoulus für sein Alter unheimlich stämmig. Dabei fällt mir bei Sead seine Spielintelligenz auf: Er wirkt schon sehr reif in dem, was er am Ball tut. Weniger ungestüm als „Papa“ in seinen ersten Wochen. Für mich hat Fuchs auf links in der ersten Elf keine Chance mehr. Bei Doppelbelastung bin ich aber auch ein Freund der Rotation…

Michel Bastos: Diesmal nicht so gefährlich wie in den vergangenen Wochen. Aber er macht mir Freude als Pendant zu Farfan auf der anderen Spielfeldseite. Eine prima Flügelzange. Erinnert mich in seine Chuzpe ein wenig an Emile Mpenza, wenngleich der etwas bulliger daher kam. An Bastos könnten wir noch viel Freude haben.

Hildebrand: Inzwischen schafft er es endlich wieder, mich halbwegs sicher zu fühlen mit ihm. Nachdem ich lange Zeit den Eindruck hatte, wir hätten statt des Torwarts (egal mit welchem) auch genauso gut einen elften Feldspieler bringen können, weil gefühlt jeder Schuss auf unser Tor praktisch ein Treffer war, ist das jetzt anders. Timo ist wieder da.

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