Wie der Ultrà an sich ist

6 Sep

Choreo-ultra-blog

(Screenshot – Video am Ende des Artikels)

Der Ultrà an sich ist wahnsinnig böse. Er ist ein pubertierender geltungssüchtiger Mensch, der sich selbst und seine Gruppe für wichtiger nimmt als den Verein. Er ist gegen alles, was der Verein tut, hat Stadionverbot, mag Bier und fuchtelt im besoffenen Zustand gerne mit Berngalo-Fackeln herum. Er ist meist schwarz gekleidet, hasst die Presse, findet Kommerz richtig scheiße und würde lieber ohne Kommerz, aber dafür in der dritten Liga zum Fußball gehen. Er lästet über Kutten, trägt maximal einen Schal – und wenn, dann in der Mitte vor der Brust zusammengeknotet, aber auf keinen Fall aus dem Merchandising-Sortiment des Vereins. Er sprayt gerne illegale Tags an die Bahnhofswände aller Städte dieser Welt und benimmt sich daneben. Er singt gerne einen Dauersingsang, ganz egal wie das Spiel gerade läuft. Er hält sich für elitär und blickt auf andere Fans des eigenen Vereins abschätzig herab. Er schwenkt gerne 90 Minuten lang so seine Fahne, dass ich vom Spiel nix sehe. Er steht gerne mitten in einer Rauchbombe und ist Kategorie B bis C – hat also mindestens Gewaltpotenzial, wenn nicht sogar große Gewaltneigung. Er stürmt gerne Plätze, verhaut gerne seine eigenen Spieler und bedroht sie sogar im privaten Umfeld.

Das ist das Cliché des Ultrà an sich. Mit diesen Vorurteilen kämpfen die Jungs und Mädels, die sich der Liebe zu ihrem Verein ganz besonders verschrieben haben. 

Weil es diese Vorurteile gibt und sie immer aufkochen, selbst in Massenmedien, freue ich mich umso mehr über ein aktuelles Video vom Augsburgspiel, das ein so anderes Bild zeichnet: Es zeigt eine ganze Horde von Ultras, die in diesen Szenen diesem Cliché so überhaupt nicht entsprechen. Nein, im Gegenteil: Sie pinseln in Feinstarbeit riesige Fahnen an, wie im Kunstunterricht oder im Kindergarten, sie konzipieren, planen, basteln, verteilen Pappkarten, um ihrer Liebe zum Verein in einer großartigen Show Ausdruck zu verleihen. Eine Show, die so viel Aufwand war und nicht zuletzt darum so viel mehr ist als die „Böklunder Fanbox“ oder das überzogene „Ich-dreh-durch“-Torjubel-Anheizer-Gejohle unseres Stadionsprechers.   

Dafür liebe ich die Ultras Gelsenkirchen: 

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