Reise nach Kharkiv – der sportliche Teil

14 Jun

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Unsere Reise nach Kharkiv hatte (mindestens) zwei Facetten. Darum gibt es in der Retrospektive auch zwei Blogposts dazu. Hier der sportliche (europameisterschaftliche) Teil: ??ber ungl??ubig dreinblickende Niederl??nder, eine Stadionsch??ssel alten Schlags, Fernsehauftritte in Serie und ein starkes Spiel unserer Elf.

Unsere TV-Pr??senz:

Selten war sie so gro?? und regelm????ig wie am Mittwochvormittag, kurz nach unserer Ankunft in Kharkiv. Wir parkten direkt am Stadion – das erlaubte die g??nstige F??gung der fr??hen Ankunft um 4 Uhr morgens nach 17 Stunden ??berfahrt von Lwiw nach Kharkiv. Dort traf einige Stunden sp??ter ein ??-Wagen von N24 ein. Der parkte 50 Meter weiter, es stiegen ein Kameramann/Techniker und ein Journalist aus. Sie bespa??ten den in etwa halbst??ndig getakteten Nachrichtenteil bei N24 aus der Ukraine – und fanden uns als „Experten“. Zu einem Thema allerdings, zu dem wir nicht so viel sagen konnten: In Warschau hatten sich am Vorabend polnische Hooligans und russische Fans eine Schlacht geliefert. Der Tenor von N24: Das h??tte man vorher wissen muessen. Der Dreh zu uns: Was sagt ihr dazu und was erwartet ihr f??rs Duell der Rivalen Deutschland und Holland? „Hat mit Fu??ball nix zu tun. Wir bisher total freundlich empfangen. Fu??ballfest. Noch nix dergleichen mitbekommen. Deutsche und Holl??nder werden sich piesacken, aber nicht schlagen.“ So unser Tenor. Am Ende behielten wir meinen Kenntnisstand zufolge Recht – einige Holl??nder gratulierten uns, andere sagten einfach mal gar nix. Au??erdem sollten wir als Fu??ballexperten etwas zum Thema Klose oder Gomez sagen. Da waren wir intern gespalten: Die einen sagten, Jogi solle am Team nichts ??ndern (u.a. meine Meinung), die anderen pl??dierten trotz des Gomez-Matchwinner-Tores f??r Kloses Einsatz von Anfang an.

Mit diesen beiden Themen bestritten wir gef??hlt das halbe Morgenprogramm von N24. Denn immer wieder kam Redakteur Christoph zu uns und sagte: „So, in 12 Minuten haben wir noch mal ne Schalte. Da machen wir nur das Sportliche. Ich brauche zwei von euch.“ Und so weiter.

Was bekamen wir daf??r? Strom und am Ende ein kaltes Carlsberg f??r jeden. Und neue Kontakte. ??berhaupt muss man sagen, dass wir unheimlich viel kontakten. Mit Medienleuten (ARD, N24), mit Fans auf unterschiedlichsten Reisewegen und Verkehrsmitteln. Das hilft: immer wieder Tipps, gute Ideen, hilfreiche Ratschl??ge.

Das Stadion:

Diese Sch??ssel hat Charme. Erbaut 1926, f??r die Euro komplett ??berarbeitet. Nicht so ein Playmobil-Baukastenstadion, wie man sie heute so baut. Es erinnerte mich an das Ernst-Happel-Stadion in Wien: rund, nicht so eng, mit Kurven und nur einen einzigen Rang. Man lernt diese Art von Stadion zu sch??tzen, je seltener sie werden. Das Ding ist nat??rlich komplett ??berdacht. Auch die Katakomben sind einfach, ganz simple Eing??nge, fast gar keine Treppen und Kioske und Toiletten im
Umkleidekabinen-Schick von 70er-Jahre-Turnhallen in Deutschland.

Im Vergleich zum architektonisch so tollen Stadion-Neubau auf der gr??nen Wiese vor den Toren von Lwiw ein klares 4:1 f??r Kharkiv. Ein Tor g??nne ich Lwiw f??r die bessere Akustik.

Die Fans:

Ich hatte mit einer niederl??ndischen ??bermacht gerechnet. Schlie??lich spielt Holland all seine drei EM-Spiele (sic!) in Kharkiv. Und in der Stadt vor dem Spiel war Oranje dem Schwarzwei?? klar voraus. Doch im Stadion glich sich das optisch aus – und akustisch waren die Holl??nder eine einzige gro??e Entt??uschung. Wir dagegen legten gegen??ber dem guten Support von Lwiw noch eine Schippe drauf. Gesch??tzt 9000 Niederl??nder gegen 7000 Deutsche. Der Rest Ukrainer und vor allem Russen in einer durch und durch sowjetisch gepr??gten und russisch beeinflussten Stadt. Wir waren gesanglich laut, dazu durchaus kreativ und abwechslungsreich (es gibt bestimmt sieben, acht Chants, die richtig gut und laut gehen). Anderen Fangruppen sind wir da meilenweit voraus. Holl??nder k??nnen nur zwei oder drei Lieder, Spanier zwei, Engl??nder vier.

Es gab auch trotz der Papierkugelw??rfe von Lwiw wieder ein Kurven-Choreo mit wei??en und schwarzen Pappb??gen. Ich konnte aber nicht erkennen, was das sein sollte, zu l??chrig war die Beteiligung oder zu schlecht meine Seitenblick-Perspektive. Papierkugelw??rfe bis aufs Spielfeld waren aufgrund der Distanz diesmal unm??glich.

Zum Spiel an sich:

Deutschland deutlich verbessert zum Auftaktspiel, Holland spielerisch eine Entt??uschung, mittellos, planlos. Die Oranjes hatten deutlich mehr Ballbesitz, und trotzdem wirkte unsere Elf ??berlegen. Weil wir kreative L??sungen fanden – deutlich mehr als gegen D??nemark. Und das mit der gleichen nominellen Elf. Eine gute Entscheidung des Bundestrainers. Schweini steigerte sich deutlich und spielte u.a. den gro??artigen Schnittstellenpass auf Gomez zum 1:0. Lahm stellte Robben kalt und konnte diesmal auch wieder offensiv Akzente setzen. Hummels und Badstuber zeigten wieder gute Leistungen, wobei Hummels wieder als Aggressivleader auftrat. ??zil und Khedira waren ??hnlich engagiert wie gegen die D??nen, Boateng wieder ein zwrikampfstarker Au??enverteidiger. Und Gomez? Man muss nicht viele Worte verlieren. Ich glaube, das war sein bisher bestes L??nderspiel. Gro??artig die Ballmitnahme zum 1:0, stark sein Mut, beim 2:0 aus der Position mit Rechts aufs lange linke Eck zu zielen (wenngleich Torwart Stekelenburg den mE halten muss, warum er da so abtaucht ist mir schleierhaft).

Beeindruckt hat mit die immense Zweikampfst??rke in den letzten 15 Minuten. Zehn Mann, ein Wort: Nej!

Bilanz:

Wir haben den Einzug ins Viertelfinale so gut wie sicher. Wir haben Holland so gut wie sicher nach Hause geschickt. Wir haben unsere Fandominanz eindrucksvoll auch in Unterzahl unter Beweis gestellt. Wie waren TV-Experten zu Themen, ??ber die wir wenig wissen. Eine tolle Reise eigentlich. Eigentlich. Denn da war ja noch der „unsportliche“ Teil der 1000-km-Ochsentour, von dem ich im n??chsten Post erz??hlen werde…

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