Camping-Chaos und ukrainischer Urknall

12 Jun

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Der gestrige Tag endete für uns auf ein paar Longdrinks im Fashion-Club. Nett! Was wir vorher erlebt hatten, war allerdings prägender: ein bisschen Chaos und kreative Lösungen gegen Mindestlohn auf dem Campingplatz sowie ein fußballerischer Urknall für den EM-Gastgeber und sein ganzes Volk.

Fangen wir beim Chaos an: Das Wetter in der Westukraine ist munter. Jeden Tag schien bisher die Sonne, jeden Tag aber oder in der Nacht regnete es auch kräftig. Das ist für Camper besser als Dauerregen, aber deswegen lange noch nicht unproblematisch. Es hat nämlich zur Folge, dass aus unserer Campingwiese in der Anrollschneise ein Schlammloch geworden ist. Denn jeden Tag reisen Wohnmobile an und ab. Besser: Sie versuchen das. Das geht aber meist nicht allein, denn 4 Tonnen Gesamtgewicht auf vier schmalen Sommerreifen auf einer feuchten Wiese: geht nicht.

Da wir heute nach Kharkiv weiterreisen wollten, und das recht früh am Morgen, entschieden wir uns dazu, die Nacht nicht mehr auf der Wiese, sondern auf dem Asphalt vorm Hotel zu verbringen. Also packten wir gestern schon zusammen. Gute Entscheidung. Denn bis zum Asphalt brauchten wir jede Menge Manpower und drei Stunden Zeit. Erst zog ein Traktor und per Abschleppseil ein paar Meter – Ende, festgefahren. Dann holten Arbeiter der Anlage, unter anderem ein paar ganz junge Soldaten(1), mi
t einem Pferdewagen Holzschnitzel aus dem Wald und streuten damit 20 Meter Piste aus. 20 Meter kamen wir im nächsten Versuch voran… Das ging dann mehrfach so. Ein Höhepunkt: als der Trecker gar nicht mehr wirkte, versuchten es die Jungs mit zwei lebenden PS und spannten den Pferdewagen vors Wohnmobil – noch mal 20 Meter und ein Applaus von den umstehenden Fans, die das Spektakel natürlich verfolgten. Letztlich gelang es mit Manneskraft, Trecker und Holzschnitzeln, rauszukommen.

Spannend: Am Rande sprach ich viel mit dem „Fan-Camp-Manager“. Der heißt Alex Olex, studiert an einer der beiden großen Unis von Lviv, ist etwa 25 und erlebt hier auch wegen der Schlamm-Orga 22-Stunden-Arbeitstage(2). Der Campingplatzbesitzer sagt zum Schlamm-Problem nur: lösen im Sinne der Gäste, aber es darf nix kosten. Jedenfalls sagte Alex, dass zum kommenden Wochenende, wenn Dänemark und Deutschland hier aufeinandertreffen, 60 Wohnmobile anreisen – u.a. wir. Das wird spannend…

Durch diese Umstände verpassten wir das Spiel Frankreich – England (war da was?), schafften es aber, eine Stunde vor Anstoß des Abendspiels Ukraine – Schweden in der City von Lviv zu sein. Dort erlebten wir unheimlich positiv aufgeregte junge Urkainer mit gelb-blauen Flaggen auf den Wangen, die für ihre tolle Stimmung mit dem Fußball-Urknall für dieses Land belohnt wurden. Nach 0:1 noch 2:1 gewinnen, zwei Tore durch den in die Jahre gekommenen ukrainischen Mega-Star Andrej Shevchenko – da kann man sich vorstellen, wie extatisch der Jubel der bestimmt 10000, wenn nicht 20000 Urkainer auf der Fanmeile in Lviv ausfiel. Ansteckend! Das war denen aber einfach auch zu gönnen.

Interessantes Detail: Als beim Torjubel zum 1:1 der Staatschef Janukowitsch auf der Leinwand jubelnd gezeigt wurde, da brach in einer Ecke neuer Jubel auf, unter den sich allerdings auch ein paar Pfiffe und Buh-Rufe mischten.

(1) Wir erfuhren, dass die Soldaten, die hier auf der Anlage arbeiten, vom Chef gegen ein bisschen Schmiergeld „eingekauft“ wurden. Sie verdienen 1 Euro am Tag…

(2) Alex arbeitet auf der Anlage für die Zeit, in der Lviv EM-Spielort ist. Er verdient 15 Euro am Tag und sagt: So hätte ich mir das nicht vorgestellt.

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