Spieltag 1 und Megabeschallung

11 Jun

P80

Das erste Spiel eines Turniers ist oft eines der wichtigsten, wenn man hinterher die R??ckschau eingeht. Wie kommt die Mannschaft ins Turnier? Wie findet sich ihr Spiel? Und wie steht es danach mit ihrem Selbstvertrauen? Sagen wir so: Es gibt einen Turnierfavoriten, der die Latte gerissen hat und einen, der zwar nicht gegl??nzt, aber gewonnen hat.

Holland ist angerannt auf die d??nische Verteidigung und hat es nicht geschafft, seinem eigenen Auftaktspiel ein Tor zu schenken. Damit stehen die Niederl??nder nun schwerstens unter Druck: zwei Spiele haben sie noch, beide m??ssen sie gewinnen. Ihr Problem dabei: Sie spielen leider noch gegen Deutschland. Und Portugal, ein Team, das auch so schlecht nicht sein soll…

Und wir: Haben kein traumhaftes Spiel gezeigt, keine glanzvollen Kombinationen, aber wir waren effektiv. Und wir haben ein Grundger??st einer Elf gesehen, auf dessen Basis wir ganz beruhigt weiterarbeiten k??nnen. Die wichtigste Einsicht das Tages von der Trib??ne aus betrachtet hatte dabei der Jogi, weil er Hummels brachte. Der organisierte hinten den Laden, dirigierte, redete und spielte zudem noch ??berragend. Ein Gl??cksgriff.

Genug zum Spiel. Der Tag und das Drumherum in kurzen Bl??cken:

Das Stadion ist h??bsch und stimmungsvoll, wirkt gar nicht so klein und ist auch logistisch ganz gut ausgestattet. Und es herrscht Rauchverbot. Und viele haben sich an dieses Verbot auf den Trib??nen eingelassen.

Die deutschen Fans haben das erste Match zum Heimspiel gemacht. Etwa 18 bis 20.000 im Stadion trugen wei??e (oder gr??ne) Trikots. Eine der vier Stadionkurven war rot – etwa 4000 Portugiesen m??gen da gewesen sein.

Auch akustisch war das ein guter Auftritt der deutschen Fans. Guter Support. In als die Kurve merkte, dass das Team Unterst??tzung braucht, etwa in der 55. Minute, da hat sie gesungen: „Super Deutschland, Super Deutschland, Super Deutschland ole ole“. Dauerhaft, stehend, laut. Man merkte: Das hat die Mannschaft gepusht. Sie befl??gelt, etwas mehr Mut ins Angriffsspiel zu bringen. Gut, vielleicht hing das auch woanders mit zusammen, zum Beispiel mit guten Trainerworten in der Kabine. Aber egal, ich bleibe in dem Glauben, dass wir einen gro??en Anteil am Auftaktsieg hatten.

Es sind Pl??tze leer geblieben im Stadion. Aber nur vereinzelt. Ich hatte ehrlich gesagt mehr freie Pl??tze trotz Ausverkauft-Status erwartet. Warum? Weil den Tag ??ber in der City ein reger Tickethandel bzw. -??berschuss herrschte. Dabei ging es gar nicht so sehr um organisierten und bereichernden Schwarzhandel, sondern um ??berz??hlige Karten bei deutschen Fans. Viele hatten noch Resttickets und versuchten, diese loszuwerden. Die Preise lagen dabei nah am unter sogar unterm Einkaufspreis. Also wer Gesch??fte machen wollte, hatte schlechte Karten.

Das mit dem Fanverh??ltnis wird sich zum Hollandspiel wahrscheinlich deutlich Richtung Oranje drehen. Die Holl??nder spielen drei Vorrundenspiele in Kharkiv, k??nnen sich dort also einnisten. Wir dagegen m??ssen am Montag/Dienstag weitere 1000 km reisen – f??r ein Spiel. Gestern in der Stadt stie??en wir auf viele Tagesfahrer: Fanbusse oder Privatleute, die ??bers Wochenende zum Fu??ball gefahren sind und Montag wieder arbeiten m??ssen. Beim Spiel am Mittwoch wird das anders sein: Wochentag. Und viel weiter entfernt. Also deutlich weniger Deutsche. Ich tippe auf 8000 gegen 18000 Holl??nder.

Zwei Dinge nervten an einem ansonsten spitzenm????igen Tag: Der Regen, dem wir in der Stadt aus dem Weg gehen konnten, hat den Campingplatz arg mitgenommen. Schlamm macht heute einigen Wohnmobilen die Abreise schwer. Ein Trecker schleppt sie raus. Und: die Dauerbeschallung der UEFA im Stadion. Ich habe nix dagegen, zwei, drei Werbespots zu sehen. Auch nix dagegen, eins, zwei Partysongs vorgespielt zu bekommen. Und die „Er??ffnungsfeier“ vor dem Spiel war wirklich h??bsch. Aber zweieinhalb Stunden elend Laute Musik auf den Ohren, deren Lautst??rke sich bis zum Ansto?? noch steigerte: unertr??glich. Die Programmplanung lie?? keine Atempausen, es ging immer weiter. Zwei DJs am Platzrand legten auf. Dann kamen ein portugiesischer und ein deutscher Stadionsprecher dazu (wer braucht die eigentlich?), die auf dem Platz rumrannten und ins Funkmikro br??llten. F??rs Einsingen der Fankurve blieb keine Zeit. F??rs gedankliche Vorbereiten aufs Spiel nicht. Und dass der Countdown der Stadionregie erst von zehn aus laut eingespielt wurde, nachdem der Schiri angepfiffen hatte, war der Gipfel. Unsch??n, unn??tig, ohrenbet??ubend – das braucht keiner. Ach ja: als die Mannschaft nach dem Spiel im die Kurve kam, war keine Gelegenheit, sie mit Ges??ngen zu feiern. Die Regie spielte Laute Lieder ein. Fail!

Zum L??rm noch ein Zusatz: W??hrend des Spiel surrte es dumpf und niederfrequent leise durch die Lautsprecher. Es h??rte sich ein bisschen wie Puls-Ger??usche an und war tierisch nervig. Soll das deeskalierende Wirkung haben oder war der sonore Klangteppich eine technische Panne? Ich hoffe auf letzteres.

Heute und morgen machen wir Urlaub. Keine Termine (au??er Fu??ball heute Abend), keine To-Dos (bis auf unsere Sat-Sch??ssel), kein Stress. Dienstag geht es dann nach Kharkiv.

Man kann meine #emtour12 bei Twitter verfolgen: http://twitter.com/weckenbrock. Tweets aus der Stadt oder aus dem Stadion k??nnen ab und zu schwierig sein.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: