Gastbeitrag: Der Schauspieler mit der Pöhler-Kappe

27 Mrz
Ich bin seit vielen Jahren regelmäßiger Leser der Schalke-Mailinglist. Darauf wird per E-Mail, die an einen großen Verteiler weitergeleitet wird – also so richtig schön Old School – über Schalke diskutiert. Letzte Woche ging es ausnahmsweise auch mal um etwas, was Schalker am Rande durchaus interessiert: das Gebaren unseres 40 km östlich gelegenen Nachbarn.

Markus Düchting schriebt dort etwas über BVB-Trainer Jürgen Klopp. Irgendwie mochte ich den Beitrag (auch wenn der Abschnitt mit Stuttgart nicht hundertprozentig stimmt) – und darf ihn nun hier als Gastbeitrag veröffentlichen. Er bezieht sich aufs Pokalspiel der Borussia in Fürth.

Etwas ist mir merkwürdig aufgefallen: Natürlich wurde der „ach so sympathische Kloppo“ alle paar Minuten gezeigt. Und da stand er dann… in seinem schwarz-gelben, sportlichen Outfit, gepflegtem Dreitagebart, gefletschten Zähnen und dieser „total lustigen“ Pöhler-Kappe an der Seitenlinie und vollführte immer die gleiche, in der Luft rührende Geste, die der Moderator wiederholt als „weiter so“ interpretierte. Schon immer habe ich mich gefragt, was mit diesem Zuschauerliebling nicht stimmt. Gestern lief es mir dann eiskalt den Rücken runter: Der Typ ist einfach nicht authentisch!
Der steht da an der Außenlinie und macht einen auf Ruhri, hoch emotional und mit Senf auffe Kutte und in Wirklichkeit hat er zu Hause zwei Stunden vor dem Spiegel gestanden um irgendwie nach Pott auszusehen. Die Pöhler-Kappe suggeriert, er hätte früher auch im Garagenhof mit Schweinsblase gegen die Kinder vom benachbarten Asylantenheim gebolzt. Stattdessen dachte Kloppo als Kleinkind im steinreichen Stuttgart, dass jeder Papi Porsche fahren würde und die Kehrwoche im Grundgesetzt verankert ist. Statt Currywurst zum Frühstück hat der Junge selbstgebackene, grob-geschrotene Öko-Semmeln von Mami serviert bekommen, damit er sich in Ruhe auf sein Studium an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität vorbereiten konnte. Dort hat er nicht etwa ausgiebig gesoffen, rumgehurt und mit guten Kumpels über die Bundesliga gequatscht… sondern seine Diplomarbeit über „Walking“ geschrieben!

Wer ist also dieser Mann, der einerseits im perfekt sitzenden Anzug Länderspiele kommentieren kann und jeder Mittdreißigerin mit seinem treuen Hundeblick die Augen verdreht? Wer ist dieser Mann, der andererseits drei Tage später im ballonseidenen Bieranzug bei Borussia an der Seitenlinie steht und mit ausladenden Gesten und weit aufgerissenen Augen, Affentänze aufführt?

Ich lege mich mal fest: Der Junge ist ein Schauspieler! Nur verliebt in sich selbst und jeder Kamera bewusst, plant er seine Inszenierung bis ins Detail. Der Dreitagebart verrät ihn… der ist nämlich stets gut getrimmt und braucht sicher 30 Minuten Pflege täglich.
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