Beeindruckend.

11 Dez

Spielermatrix

Drei Dinge gibt es, die mich am heutigen Sonntagabend schwer beeindrucken. Sie kreisen alle rund um das Spiel Hertha BSC Berlin gegen Schalke 04. Ich schreibe sie einfach mal auf.

1) Schalke hat den zehnten Saisonsieg eingefahren – Freitagabend in Berlin. Mit 2:1. Diese nackte Zahl beeindruckt mich nicht so sehr. Gut, in Berlin zu gewinnen, ist auch nicht immer selbstverständlich gewesen. Und mit zehn Siegen im Top-Trio der Liga zu stehen, ist auch wirklich etwas, das ich so nicht erwartet hätte. Aber was mich wirklich beeindruckt ist die Abgeklärtheit, die Schalke in Berlin an den Tag gelegt hat. Die Mannschaft spielt zurzeit wieder nicht den Hurra-Fußball, den man sich als Fan wünscht. Diese Offensiv- und Defensiv-Power, die Borussia Dortmund in der vergangenen Spielzeit zum Meister machte, ist uns fremd. Wir spielen einfach nüchtern: Wir laufen deutlich mehr als der Gegner (120,6 Kilometer zu 115,8 Kilometer), sind aber bei weitem weniger in Ballbesitz (etwa 40 zu 60 Prozent). Die Einfach-Fußballer-Weisheit „Wer den Ball hat, der kassiert auch kein Gegentor.“ lassen wir außer Acht und wiederlegen sie. Mit zwei trockenen Toren, die zum trockenen Spiel passen. Eiskalt, im richtigen Moment. Das begeistert mich nicht, aber es beeindruckt mich. (Daten: bundesliga.de)

2) Mich beeindruckt Klaas Jan Huntelaar. Aus der beeindruckenden (siehe Punkt 3) Spielmatrix von bundesliga.de geht vieles über sein Spiel genau hervor. Unter dem Strich steht seine immense Effektivität, wenn man allein das Ergebnis unter dem Strich betrachtet (25 Pflichtspieltore in 24 Spielen, davon 14 Tore in der Liga). Er lief neben Raul am meisten (12,3 Kilometer). Er macht aus zwei Torschüssen ein Tor. Von 26 Zweikämpfen gewann er nur 9, er spielte aber von 27 Pässen (alle kurz) 23 zum Mann. 20 Mal sprintete er im Spiel, davon 18 Mal nach vorne, zweimal nach hinten. Er ist ein Ebenbild der sachlichen Schalker Spielweise: Bei kicker.de sahnt er keine grandiosen Noten ab (seine Durchschnittsnote in der Bundesliga: 3,32), aber er trifft einfach und trifft und trifft. Das macht ihn für mich zurzeit zu einem Weltklasse-Stürmer, einem der besten fünf der Welt vielleicht. (Daten: bundesliga.de)

3) Mich beeindruckt die bundesliga.de Spielmatrix (siehe Bild oben). Wahnsinn, was das Ding alles kann – es zeigt schlicht und einfach den gläsernen Profi. Ich kann mir jeden Sprint eines jeden Spielers angucken (jeder kann das!), jeden Zweikampf finde ich wieder (wann? wo auf dem Spielfeld? gegen wen? gewonnen oder verloren?), jeden Pass, jeden Torschuss – alles. Ich wusste, dass es das gibt, aber nachdem ich es mir heute erstmals selbst angesehen habe, beeindruckt es mich umso mehr. Wir leben in einer Daten-Sammel-Maschine-Welt. In vielen Bereichen merkt man das meist nicht so richtig, obwohl man es irgendwie weiß. Aber hier, hier wird es wieder plastisch. Diese Welt macht uns alle, hier den Fußballspieler nackig. Jeder kann sich ansehen, was ein Fußballprofi für sein Geld leistet – jede Woche aufs Neue. Es müsste die Spieler verrückt machen. Beziehungsweise kann man ihnen nur wünschen, dass sie nicht allzu oft daran denken.
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