Mein größter Augenblick mit Rangnick

23 Sep
Meazza

Auch mir tut der Abschied von Ralf Rangnick weh. Ja, auch ich h??tte ihn gern langfristig beim FC Schalke 04 an der Seitenlinie gesehen. Das mache ich an seiner Art zu arbeiten, an seinem Wesen, an seiner Fachkenntnis fest – und an einigen wenigen Augenblicken im gemeinsamen Schalke-Leben.

 

Ralf Rangnick, oft als „Professor“ geadelt, ??fter allerdings noch als „Professor“ bel??chelt, hat mir einen der sch??nsten Fu??ball-Abende meines Lebens beschert und dabei mit einer kleinen, eigentlich so unbedeutenden Aktion riesengro??e Freude gemacht. Es war Anfang April 2011 in Mailand. Wir trafen auf den gro??en FC Internazionale und spielten im Giuseppe-Meazza-Stadion von San Siro einen erleuchtenden Fu??ball, der halb Europa ??berraschte und verz??ckte. Und das Spiel kam in einer Phase, in der wir gerade den Frust von Schleifer Felix Magath hinter uns gelassen hatten. Ein Abend, an dem wir die Freude wiederfanden.

 

Felix Magath hatte der Mannschaft die Freude am Fu??ball abspenstig gemacht. Seit fast einer ganzen Spielzeit schon liefen Leute von Klasseformat wie Jefferson Farfan, Raul oder Huntelaar ihren M??glichkeiten weit hinterher. Und dann war der Magath weg und mit Rangnick einer zur??ck, der wieder den Spa?? am Spiel zu vermitteln wusste. Und an diesem Abend, vom dritten Rang hinter dem Tor des Meazza-Stadions aus, da sah ich endlich wieder, wie ein Trainer seinen Spielern nach dem Spiel auf dem Rasen entgegen ging und sie abklatschte: alle einzeln, jeden f??r sich, mit einem dankbaren L??cheln auf den Lippen. 

 

Wir feierten oben auf der Trib??ne, und da unten wehte endlich wieder ein Hauch von Menschlichkeit ??ber den Rasen. Ralf Rangnick hatte den Geist wieder erweckt, damit die Spielfreude und damit das Gef??hl, als Schalker Teil eines Besonderen zu sein. Er agierte dabei nicht so wie J??rgen Klopp am Spielfeldrand, der ausrastet, wenn er ein Spiel beobachtet, Schiedsrichter angiftet oder sich beim Torjubel fast die Arme bricht und die Stimmb??nder belegt. Der Wut ausstrahlt, statt Freude.

 

Es war ein Augenblick, in dem ich an Rangnicks Ehrenrunde am Ende seiner ersten ??ra auf Schalke zur??ckdenken musste. Damals, als er vor dem letzten Heimspiel des FC Schalke vor der Winterpause aus eigenem Antrieb eine Runde durchs Stadion zur??cklegte und den Fans zuwinkte – ehe er den Verein zum ersten Mal verlie??.

 

Ralf Rangnick hat es mit seinem R??cktritt wieder gezeigt: Er ist zwar Fu??ball-Trainer, aber auch Mensch. Ein Mensch mit Gef??hlen, ein Mensch mit Fehlern, mit labilen Momenten und Empathie f??r das Innenleben anderer. Ralf Rangnick geht. Viel zu fr??h. Und das tut weh.

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