Und jährlich grüßt das Murmeltier

5 Aug

Es ist wie jedes Jahr: Die Vorfreude auf die neue Bundesliga-Saison ist da. Sie kommt irgendwann über Nacht, wenn man der Testspiel- und Vorbereitungs-Geschichten in den Medien überdrüssig wird und sich auch die letzten Experten und angeblichen Kenner der Szene zu ihren Meister- und Abschlussranking-Tipps haben hinreißen lassen, um sie medial zu verbreiten.

 

Jedes Jahr ist diese Hoffnung da. Mal ist sie groß, mal etwas kleiner. Ihre Mächtigkeit hängt von vielerlei Faktoren ab. Das ist mein generelles Ranking:

 

(1)     Es gibt einen neuen Trainer, der mit Mut und Freude seine Arbeit mit der Mannschaft beginnt. Der von einem „jungen, hungrigen Team“ spricht, mit dem es Spaß macht zu arbeiten. Der seine neue Philosophie (heute müssen Trainer ja mindestens Philosophien in ihre Arbeit einbringen, während Menschen mit Visionen früher noch zum Arzt geschickt wurden) langsam in den Verein einbringt, die Jugendabteilung umkrempelt, zwei A-Jugendliche als „eines der größten Talente im deutschen Fußball“ bezeichnet und sie in den A-Kader beruft. Der eine andere Ansprache hat als sein Vorgänger: Entweder weil er endlich mal der Mannschaft in den Arsch tritt (Magath, Heynckes, Stevens) – oder weil er den „Spaß am Fußball zurück auf Schalke gebracht hat“ (Rangnick, Slomka, Neubarth). Einer, der den Medizinball und Treppenläufe etabliert oder einen, der „jede Übung mit dem Ball am Fuß“ ausüben lässt.

(2)     Es gibt einen neuen Superstar, der vom aufstrebenden spanischen Erstligisten gekommen ist und an dem auch Real Madrid interessiert war. Einen der vermeintlich besten, die im Sommer auf dem Markt waren, für vergleichsweise günstige 12 Millionen Euro Ablösesumme mit einem Vierjahresvertrag ausgestattet wurde und der sagt: „Ich fühle mich wohl hier. Schalke ist immer schon einer meiner Traumvereine gewesen.“  

(3)     Es gab eine miese Vorsaison mit schlechtem Fußball zum Abgewöhnen (Fan A: „Warum tu ich mir den Scheiß eigentlich jede Woche aufs Neue an? Hätte die Zeit besser daheim mit Unkrautjäten verbringen können.“ Fan B: „Wir fahren der Mannschaft hier bis nach Freiburg nach – und dann zeigen die so ne Leistung.“) mit schwachem Schlussergebnis. Der einzige Grund für die Hoffnung ist da allerdings, dass es viel schlechter nicht kommen kann und dass eine neue Saison ein Neuanfang ist, vor dem der Stürmer, der drei Saisontore schoss und zwei Hütten vorbereitete, im Sommer einmal resetten konnte, um jetzt als Torjäger zurück zu kommen.

 

Und wie ist es 2011? Es ist eine Mischung: Ein (fast) neuer Trainer, ein (fast) neuer hoffnungsvoller Mittelfeld-Kreativmann mit Lewis Holtby, eine (fast) miese Vorsaison, wenn man sich allein auf den Auftritt in der Bundesliga konzentriert („Das ist das Kerngeschäft!“). Es ist nicht die unbedingte Zuversicht, aber es ist Hoffnung. Auf besseren Fußball auch in der Liga, auf eine kreativere und ansehnlichere Spielweise einer der jüngsten Mannschaften in der Liga. Auf einen schlagkräftigeren Huntelaar und einen beständig starken und sympathischen Raul. Auf eine lebendige und starke Innenverteidigung, eine viel bessere linke Defensiv-Außenbahn und eine Alternative für Uchida auf rechts; auf einen sich weiterentwickelnden Julian Draxler. Die Hoffnung auf einen Nachfolger für Manuel Neuer, der es schafft, in die großen Fußstapfen zu treten. Die Hoffnung, dass es der große Rivale Borussia Dortmund in diesem Jahr deutlich schwerer haben wird, Meister zu werden, weil fast jeder damit rechnet, und die allgemeine Aufmerksamkeit und das Lob sich wieder mehr auf andere Teams (vielleicht ja sogar Schalke?) richtet.  

 

Die Experten haben Vertrauen in Schalke 04. In Baslers Bild-Check steht Schalke auf Tabellenrang vier, in der WAZ/WR hat es Schalke in der Prognose gar auf Rang drei geschafft, der Blogger-Kollege Matthias in der Weide setzt unsere Elf auf Europa-Liga-Quali-Kurs. Ruhr Nachrichten und Medienhaus Bauer sprechen vom jungen Schalker Team mit einem dynamischen Trainer, der Ideen und ein neues, attraktives Spiel etablieren wird. Eine Mannschaft mit viel Potenzial.

 

Heute Abend beginnt die neue Saison. Ich hoffe, dass die Hoffnungsflamme in mir lange brennen und sich das ganze irgendwann in Zuversicht wandeln möge. Und nicht schnell wieder der Ernüchterung weicht.

 

Dem FC Schalke ein Glückauf!

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