Raketevic landet in Sevilla – warum er uns nicht fehlen wird

28 Jan

Der Ivan, der Raketevic, der ist gestern in ein Flugzeug gestiegen. Und dann ist er am Abend wieder ausgestiegen, nachdem die Maschine auf dem Rollfeld in Andalusien gelandet ist. Ivan Rakitic, 22 Jahre jung und mit 97 Bundesligaeinsätzen gesegnet, wechselt vom FC Schalke 04 zum FC Sevilla (Bericht bei kicker.de). Ich weine ihm keine Träne nach, denn…

  • … er kam, angekündigt als eines der größten Mittelfeldtalente Europas mit einem Wahnsinnsschuss, im Sommer 2007 als 19-Jähriger vom FC Basel zum FC Schalke und löste die großen Vorschusslorbeeren nie ein.
  • … er kostete uns damals etwa 4 Millionen Euro Ablöse und handelte offenbar ein recht üppiges Gehalt aus – das waren halt noch die guten alten Müller-Zeiten auf Schalke. Nun geht er ein halbes Jahr vor Ablauf des Vertrages bei uns für eine Ablöse von 2 bis 3 Millionen Euro (Spekulation). Im Sommer hätten wir keinen Cent mehr bekommen.
  • … er oder sein Berater und großer Bruder Dejan Rakitic (von Gold-Kick & Sport Service) haben immer vor allem eines im Sinn gehabt: Geld. Das ist im Profisport nicht verwerflich, denn auch wenn man als Fan das nie so richtig wahrhaben will: Es geht in erster Linie darum, den Vereinen, den Spielern, den Verbänden – eigentlich allen außer den Fans.
  • … er hatte Verhandlungen mit Schalke 04 schon hinter sich, hielt den Verein aber hin auf der Suche nach besseren Angeboten. Nun hat er offenbar eines bekommen – Glückwunsch und tschüss!
  • er erfüllte die Erwartungen an seine Leistungsfähigkeit nicht. 23 Assists, 12 Tore in 97 Ligaspielen für Schalke – das entspricht 35 Scorerpunkten und damit einer Quote von etwa einem Drittel Torbeteiligung pro Spiel. Das ist nicht gänzlich schlecht für einen zentralen (defensiven oder offensiven) Mittelfeldspieler, aber auch nicht gut. Sein Kicker-Notenschnitt in dieser Saison ist mit 4,1 wirklich blamabel, im Pokal (3,17) und in der Champions League (3,9) geht’s noch so gerade. Zwei Pflichtspieltore in dieser Saison – wenig, wenig.  
  • er gehörte in seiner Wirkenszeit auf Schalke, wo er oft die eher offensiver ausgerichtete der beiden Sechserpositionen bekleidete, stets zu den am meisten ungeliebten Spielern, wenn man das Fanstimmungsbarometer anlegt. Fehlpässe von seiner Person wurden stets schnell mit Pfiffen der eigenen Fans garniert. Gute Leistungen führten eher zu verwunderten Blicken und erstaunten Reaktionen als zu einfachen Beifallsbekundungen. Die Vorschusslorbeeren, die ihn einst begleiteten, haben dazu vermutlich besonders beigetragen. Man erwartete halt einfach mehr von ihm.

Seine beiden besten Spiele machte er vermutlich gegen M’Gladbach in der vergangenen Saison (Spielbericht), als er beim 3:1 zweimal selbst traf, und beim VfL Bochum am drittletzten Spieltag der Saison 2007/08 (Spielbericht), als er einmal traf und zwei Tore vorbereitete. Aber ansonsten war da ganz viel Mittelmaß dazwischen. Da darf man getrost mal die Kosten-Nutzen-Rechnung aufmachen, und das Ergebnis ist klar: Er kann gehen. Peer Kluge spielt vermutlich für die Hälfte des Salärs. Und: Er ist seit einigen Wochen vor Weihnachten einer der konstantesten im Team, weil er durchweg solide bis gute Leistungen abgerufen hat. An eine längere Phase, in der man das von Ivan behaupten konnte, kann ich mich nicht erinnern.

Wer kann Ivan nun ersetzen? Die Frage darf gestellt werden, zumal mit Jermaine Jones ein weiterer zentraler Mittelfeldmann auch gegangen ist. Wen haben wir denn noch? Klar, den Kluge. Der ist eine Bank. Dann wird es enger: Moritz ist mein erster, Matip mein zweiter Kandidat. Schmitz könnte das möglicherweise spielen, ist aber links hinten so lange gebunden, bis Avelar oder Pander ihn vollwertig ersetzen können. Oder glaubt hier noch jemand an die Rückkehr von Hans Sarpei? Vielleicht ist Rakitic’ Weggang auch eine neue Chance für Baumjohann. Oder Deac spielt sich endlich ins Team. Papadopoulos würde ich ohnehin gerne noch häufiger sehen, und was ist eigentlich mit Plestan? Kenia kommt langsam aber sicher zurück, und Pliatsikas – wo ist der eigentlich abgeblieben?

Eine lange Liste von Namen – ich glaube, wir können Rakitic’ Weggang in der Tat verschmerzen.

 

Das Video seiner Flughafen-Ankunft (von www.sevillafc.es):


 

llegada Rakitic from www.sevillafc.es on Vimeo.

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Eine Antwort to “Raketevic landet in Sevilla – warum er uns nicht fehlen wird”

  1. schalkefan_de 28. Januar 2011 um 11:02 #

    Du sagst es: Die Liste der m??glichen Ersatzleute ist lang. Kluge sowieso, dann Matip (den ich im zentralen defensiven Mittelfeld noch vor Moritz sehe), Moritz selbst und wenn es denn dann auch mal etwas offensiver sein darf (was ja auch nicht der Worst-Case w??re) Draxler, Baumjohann, Deac + Mister X, den Magath noch holen wird. Sportlich ist der Abgang von Rakitic zu verschmerzen, finanziell ist er so sehr zu begr????en, dass wir uns heute abend eigentlich ein Sektchen g??nnen m??ssten.Das Hauptproblem von Rakitic war in meinen Augen, dass er sich selbst stets als kreativen Offensivspieler gesehen hat. Ist er aber nicht! Seine Spielauffassung ist viel zu beh??big, seine P??sse sind meistens f??r die Wurst, seine Spieltempo kennt nur zwei Zust??nde: an und aus. Rakitic ist der perfekte Mann, um unterst??tzend hinter einem genialen Spielmacher zu spielen. Da Schalke diesen genialen Spielmacher jedoch nie hatte, war sein Wirken beim S04 von Anfang an ein gro??es Missverst??ndnis.Kurzum: Auch ich sehe im Abgang von Rakitic ??berhaupt kein Problem.

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