Der Wandel läuft

15 Apr

Vor knapp drei Jahren schrieb ich hier von der Sehnsucht der Fans nach einer Rückbesinnung des FC Schalke 04 auf seine wahren Werte. Heute, nach dem 2:0-Derbysieg, kann man konstatieren: läuft mit der Rückbesinnung. Weil wir endlich wieder kluge kreative Köpfe in der Führung haben. (Und weil die Ergebnisse stimmen…)

Schalke 04 gewinnt zum ersten Mal seit September 2014 wieder ein Revierderby – wenn man mal vom 4:4-Sieg aus dem Hinrunden-Spiel ganz geschmeidig absieht. Die Leistung beim 2:0 (0:0) gegen Dortmund ist hervorragend. Schalke ist die kämpferische Mannschaft, die, die mehr Mumm auf den Platz bringt. Damit war nach dem Leistungs-Blackout beim 2:3 beim Tabellenschlusslicht Hamburger SV eine Woche zuvor nun nicht unbedingt zu rechnen. Zumal der Trainer Domenico Tedesco in Schöpf und Konoplyanka ein komplett neues Tandem brachte, weil Embolo und Oczipka verletzt bzw. angeschlagen nicht in der ersten Elf stehen konnten. Doch es lief und wir bejubelten zwei wunderschöne Tore, die zu einem verdienten Endstand gegen erneut phasenweise konsternierte Dortmunder führten.

Das Stadion rastet komplett aus, feiert unsere Farben schon vor dem Spiel mit einer Permanent-Choreo und einem Zitat aus dem Ibo-Klassiker „Blau und Weiß (das sind die Farben von ganz oben)“ (VIDEO) und dreht während des Spiels nach den Toren und dem Schlusspfiff total durch. Und da ist er wieder: „Wir sind Schalker, asoziale Schalker. Schlafen unter Brücken oder in der Bahnhofsmission.“ Dieser Gesang, nach dem 1:0 minutenlang und wiederholt angestimmt. Vor drei Jahren hatte er seine echte Rückkehr in die Kurve gefeiert. Damals stand er für mich für den Trotz der Fans, als es gegen Stuttgart daheim sportlich nicht lief und die Verantwortlichen den Eindruck vermittelten, dass der Weg, den sie gehen, nicht der ist, den die (aktiven) Fans wollen: Sie verabschiedeten sich gefühlt von Werten, die unseren Club für uns Fans ausmachen. Anders zu sein, ein Arbeiter- und Malocherclub.

Heute sangen sie wieder diesen Song, den einst der Mob des Gegners den Blauen entgegen schmetterte („Ihr seid Schalker…“), um sie als asozial, arbeitslos, obdachlos zu diffamieren. Man kann sich darüber grämen – oder sich diese Schmähung zu eigen machen, vor allem dann, wenn sie aufgrund der Herkunft, der Strukturschwäche der einst von Kohle und Stahl geprägten Heimat nicht ganz ohne Hintergrund ist. Unsere Kurve sang ihn heute nicht zum Trotz gegen die Entwicklung, sondern aus Freude und um den sehr stillen Gästefans zu sagen: Schmäht uns nur – uns ist’s egal (diese Haltung tritt auch im Chant „Wir sind Schalker, wir sind Schalker, keiner mag uns – scheißegal!“ auf, der allerdings heute nicht gesungen wurde).

Schalke feierte den Sieg, und die Nordkurve forderte erstmals den Trainer hoch zu sich aufs Capo-Podest (VIDEO). Domenico Tedesco, selbst ein Emotionsbolzen, ließ sich wohl von Kapitän Ralf Fährmann letztlich überreden und ging hoch. Er ist Anfang 30 und das genaue Gegenteil von dem, was wir vor drei Jahren in Di Matteo hatten. Unvorstellbar, dass ein Trainer wie er sich so eine Aktion gegeben hätte. Tedesco dagegen feierte dort oben mit den Fans. Er könnte einer von ihnen sein – wenn, ja wenn er nicht eine andere Aufgabe hätte, die er unfassbar cool und dabei so akribisch wie lange kein Trainer auf Schalke mehr ausübt.

Christian Heidel sagt immer wieder, dass der Trainer der wichtigste Mann im Verein sei. Da ist sicher etwas dran wie an allem, was dieser gescheite Mann sagt. Aber es ist auch Understatement und passt zum bodenständigen Heidel. Vielleicht ist der, der diesen Trainer fand und holte und den Kulturwandel auf Schalke vorantreibt, allerdings mindestens genauso wichtig.

Diese beiden haben jedenfalls mit gütlicher Fügung und sicher etwas Glück (kaum Verletzte, knappe Siege, gute Auslosung im Pokal, fehlende zeitliche, gedankliche und körperliche Belastung aus dem Europapokal), aber vor allem mit harter und smarter Arbeit und damit einer Besinnung auf Schalkes Werte und Tugenden jetzt schon etwas Geschaffen, das viel mehr ist, als man erwarten konnte. Sie haben den FC Schalke geerdet und ihn den Fans ein stückweit zurückgegeben.

Auch wenn so manches Lied noch das gleiche ist: Dieses Schalke hat mit dem aus dem Mai 2015 nicht mehr viel gemeinsam. Und das ist gut so.

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22 Jan

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20 Dez

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20 Dez

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15 Nov

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3 Aug


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26 Jul

Fotos: Fuguito / 9EkieraM1 (CC BY-SA 3.0)

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